Von Worms nach Bingen

Von Worms aus bin ich auf Nebenstrassen, durch romantische Winzerdörfer und nicht endende Rebberge Richtung Bingen gefahren. Besonders auffallend war der wunderbare Blumenschmuck der die alten Riegelbauten entlang meiner Route ganz besonders sehenswert machte und meine Aufmerksamkeit erweckte.

Und gerade in solchen mit viel Liebe und Sorgfalt gepflegten und geschmückten Häusern befinden sich auch die Gaststätten und Weinstuben von denen ich aus reinem "Gwunder und Gluscht" einige besuchte. Ich habe ja mein Zimmer dabei und musste nach einem feinen Essern nicht mehr Fahren.

Punkto feinem Essen hier eine kleine Episode.

Ich las in der Speisekarte, dass die Hausspezialität  "Karpfen mit Kräuterbauch und in einer Salzkruste gebacken" sei. Bis jetzt habe ich nur zweimal Karpfen gegessen, einmal in Kroatien, frisch aus dem Bassin und auf dem Grill zubereitet. Hat mir sehr gut geschmeckt! Das zweite Mal als ich bei Freunden eingeladen war^gedünstet. Dabei habe ich mir geschworen nie mehr Karpfen! Der Fisch hat dermassen gemodert, dass mir fast schlecht geworden ist. Trotzdem habe ich diese Hausspezialität bestellt, denn wenn der Fisch nicht gut wäre könnte er auch nicht als Spezialität verkauft werden. Kaum hatte ich die Bestellung aufgegeben deckte der Kellner zwei Gedecke auf.  Ich machte den Kellner darauf aufmerksam dass ich alleine sei. Er erwiderte, dass die Portion aber für zwei bis drei Personen gerechnet sei. Darauf antwortete ich ihm, dass meine Mitesserin nicht mitkommen durfte, da ihre Tischmanieren zu Wünschen übrig lassen und ich mir das Mahl nicht verderben lassen wollte. Darauf schluckte der Kellner zweimal leer, brachte den Mund nicht mehr zu und die Augen wurden immer grösser.

Ich klärte ihn auf, dass es mir darum ging, diese Spezialität zu probieren, und ich den Rest des Fisches einpacken werde um ihn meiner Mitreisenden mitzubringen. Sie könne es dann vom Teller auf dem Boden Essen. Nun änderte sich auch noch seine Gesichtsfarbe von rosarot in ein dunkelrot.

Nachdem ich meinen Spass gehabt (und genossen) habe schenkte ich dem armen und am verzweifeln nahe stehendem Kerl reinen Wein ein. Als er wusste, dass meine Reisebegleiterin eine Katze ist konnte er sich langsam wieder beruhigen. 

Als der Fisch serviert wurde, war ich selber überrascht über dessen Grösse. Diese relativierte ich aber als die steinharte Salzkruste weggeschlagen wurde. Was mir dann in die Nase stieg und was unter der Kruste zum Vorschein kam hob mich fast aus den Socken. Allein der Duft liess mir das  Wasser im Mund zusammen laufen. Als ich den ersten Bissen genossen habe war ich nahe daran einen Freudenjuchz loszulassen. Ich konnte mich aber ganz knapp zurückhalten. Aber der Karpfen war das Beste was ich je an Fisch gegessen habe. (und das ist nicht wenig da ich Fisch liebe)  Ein echter Hochgenuss!

Da ich Kartoffeln, Karotten und Broccoli überall Essen kann, nahm ich mir nur den Fisch vor. Der Rest wurde mit dann in einer Aluschale, schön zerkleinert für Butzli vorbereitet, mitgegeben. Auch sie war genauso begeistert von dem leckeren Mahl. 

Da ich auf dem Gästeparkplatz nächtigen durfte, ging ich nachdem Butzli versorgt war noch zum "Gutnachtschoppen" zurück zu dem ich den Kellner und den Küchenchef eingeladen habe. Es wurde ein wunderschöner Tagesabschluss bei dem ich erfahren habe, dass der arme Kellner wirklich fast eine Herzbaracke bekommen habe. Ich sei so ernst gewesen bei meinen Erläuterungen, dass er wirklich dachte ich hätte meine Begleiterin, er konnte ja nicht wissen, dass es eine Katze ist, zu Hause gelassen hätte weil sie keine Tischmanieren habe. So etwas sei ihm wirklich noch nie passiert.

Aber was singt Roberte Blanco "ein bisschen Spass muss sein........"

Bis zum nächsten Mal Kurt

16.07.2016