Das Airborne Museum Oosterbeek                               Bilder anklicken für Grossformat

Das Airborne Museum vermittelt mit einer audiovisuellen Präsentation, Fotos, Filmen und Ausrüstungsgegenständen der Alliierten und der Deutschen einen Eindruck von der Schlacht um Arnheim, die im September 1944 stattgefunden hat.

Wer die Angewohnheit hat, in 10 Minuten durch ein Museum oder durch eine Ausstellung zu stürmen, wild aus der Hüfte schiessend Hunderte Fotos zu knipsen und diese später zu Hause in Ruhe zu betrachten, ist hier falsch. 

Das ehemalige Hotel Hartenstein, einst Quartier des deutschen Feldmarschalls Model und danach diente es dem britischem Befehlshaber General Urquhart als Gefechtsstand, liegt unweit der Renkumer Heide, wo im September 1944 die alliierten Luftlandungen stattfanden, deren Ziel die Einnahme der Brücke von Arnheim sein sollte.

 


Das Museum überschreitet die Grenzen herkömmlicher Museumspädagogik.

Schreie dringen aus dem Keller. Tiefflieger sind zu hören, die Bomben abwerfen. Eine Häuserzeile steht in Brand und man hört das Knistern des Feuers. Militärfahrzeuge säumen einen Schützengraben und Soldatenpuppen sind realitätsnah in Szene gesetzt. Dieser  Ausstellungskeller des Museums ist nichts für zarte Seelen. Man wandelt durch das zerstörte Arnheim und ist Teil eines Strassenkampfes zwischen deutschen und alliierten Soldaten. Das Dröhnen der Gewehre aus den Lautsprechern geht durch Mark und Bein. Unheimlich der Gedanke, dass Tausende Soldaten und Zivilisten 1944 den Tod in diesem dreckigen Krieg fanden. Hier unten im Keller wird alles noch einmal lebendig.


Schwere Kost ist das, was die Airborne Experience, so der Name der  Ausstellung, dem Besucher vorsetzt. Das Haus  richtet sich an Jugendliche, die den Zweiten Weltkrieg vor allem über das Erleben verstehen sollen. Doch die Grenzen zwischen einem Museum, welches aufklärt, und einem Museum, welches Entertainment bietet, sind gefährlich dicht beieinander. Museumsleiter Dick Schlüter weiss, dass er mit seinem neuen Konzept die Grenzen der herkömmlichen Museumspädagogik verschiebt und dies rechtfertigen muss: „Kinder und Jugendliche erfahren Krieg durch ihren Computer als eine Art Spiel. Wir wollen ihnen aber deutlich vor Augen führen, dass Krieg etwas Schreckliches ist, etwas Extremes“.


Einen Schockeffekt beim Betrachter zu erzielen, ist den Ausstellungspädagogen sichtlich leicht gefallen: Der Besucher geht durch einen Schützengraben, erblickt originale Flugabwehrkanonen, Jeeps und Gewehre. Hinter den Kriegslandschaften werden auf grossflächigen Bildschirmen Originalaufnahmen von britischen Kriegsfilmern gezeigt. Zu sehen sind Militärs, die unaufhörlich Raketen abfeuern. Die Grenze zu einer „Erlebniswelt Zweiter Weltkrieg“ scheint überschritten: Mit dieser Ausstellung ist gewollt , dass sie als ein Erlebnis wahrgenommen wird. Die Ausstellung muss beeindrucken und eine deutliche Botschaft transportierten: Krieg ist schrecklich.


5,5 Millionen Euro hat der Neubau des Airborne-Museums gekostet. Während des Baus des neun Meter tiefen Kellers wurden Munition und Kriegsgegenstände gefunden. Das Museum ist  ein original Kriegsschauplatz. In der Villa Hartestein, auf den Anhöhen Oosterbeeks gelegen, kann man etwas mehr darüber erfahren. Denn das Haus stand im Mittelpunkt der grössten Luftlandeoperation der Militärgeschichte, Market Garden, bei der 10.000 alliierte Soldaten eingeflogen wurden und über Tage hinweg heftig gekämpft haben. In der historischen Villa (1865), einst Quartier des deutschen Feldmarschalls Model und danach Gefechtstand des britischen Befehlshaber General Urquhart, stehen die Schauvitrinen und erklärende Tafeln. Nur: Wer zuvor im reizüberfluteten Experience-Keller  gewesen ist, muss diese Welt förmlich als langweilig empfinden.
 

Die Operation „Market Garden“

Im Herbst 1944 hofften die Alliierten, den Zweiten Weltkrieg bis Weihnachten beenden zu können. Nachschubprobleme jedoch liessen ihren Vormarsch ins Stocken geraten. In dieser Lage entwickelte Feldmarschall Montgomery einen gewagten Plan: Mit einem Streich wollte er mehrere Brücken einnehmen – und somit den Alliierten freien Zugang nach Norddeutschland und ins Ruhrgebiet verschaffen. Im Rahmen der Operation „Market Garden“ sprangen über 30‘000 Fallschirmjäger über den Niederlanden ab, die alle wichtigen Brücken zwischen der belgischen Grenze und Arnheim erobern sollten, bis die Unterstützung durch Infanterie und Panzer eintraf. Bis Nimwegen glückte die Aktion, in Arnheim aber scheiterte das Unternehmen am völlig unerwartet starken deutschen Widerstand.

   

Mein Fazit:

Wer sich für Militärgeschichte und insbesondere für die Operation „Market Garden“ und die Kämpfe um die „Brücke von Arnheim“ 1944, die alleine über 60'000 Soldaten und Bürgern das Leben kostete,  interessiert, sollte dieses Museum unbedingt besuchen. Die Botschaft des Museums ist aktuell wie eh und je. Heute kämpfen deutsche und niederländische, britische und polnische Soldaten in Afghanistan, im früheren Jugoslawien oder in afrikanischen Ländern – somit ist der Bezug zur Gegenwart allgegenwärtig.


allein in der Gegend um Arnhem gibt es ein halbes Dutzend Kriegsgräberstätten

Weitere Bilder des Museums und des britischen Soldatenfriedhof im Fotoalbum