Oostduinkerke                       

Belgien ist eines der Länder, die relativ unauffällig sind und nicht direkt als attraktives Urlaubsland bekannt sind. Meiner Meinung nach sehr zu unrecht. Wunderschöne Badeorte mir kilometerweiten Sandstränden laden zum Baden und die Strandpromenaden zum Bummeln und Verweilen ein. Ausgedehnte und gut beschilderte Radwege führen in die Umgebung die mit der Natur, und aus geschichtlicher Sicht aus den beiden Weltkriegen, einiges zu bieten hat. 

Das auffallendste Bauwerk ist die Moderne Nikolauskirche von dem Brüsseler Architekten Jan Gilson erbaut. Das Christusbild an der Vorderseite des 38 Meter hohen Turmes ist 13,50 Meter gross und 4 Tonnen schwer, es wurde von dem Bildhauer Arnost Gause entworfen.

   

Auch die Sommerkapelle, die für die Bade-Touristen 1927 eingesegnet wurde, ist ein Besuch wert.

   

Der Dünennationalpark lädt zum Wandern ein und bietet Entspannung für die Seele.

   

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Aber auch auf der Welt einzigartiges bekommt man in Belgien zu sehen.

Die letzten Krabbenfischer zu Pferde

Oostduinkerke, diese gutmütige Gemeinde an der belgischen Nordsee Westküste, besitzt mit ihrer heilen Dünenlandschaft und dem weissen Strand etwas, was man woanders vergebens sucht: Fischer zu Pferde.

Dass diese altertümliche Art des Krabbenfanges noch ausgeübt wird, ist dem Sinn der Oostduinkerker Bevölkerung für Geschichte zu verdanken und der Tatsache, dass Oostduinkerke über einen idealen, sanft abfallenden Strand ohne Hindernisse und Gefahren verfügt. Ausserdem bildet der Strand von Oostduinkerke auf Grund seiner Lage und seiner Beschaffenheit für die Krabben einen ausgezeichneten Nährboden!

Dem Schauspiel des Krabbenfanges zu Pferde einmal beizuwohnen ist wirklich eine Reise wert! Das Krabbenfischen findet im Sommer und Winter bei Ebbe in einem Zeitraum von zwei Stunden - einer Stunde vor und einer Stunde nach der Ebbe - statt.

Der Fischer, gekleidet in einer Öljacke, Gummistiefeln und einem Südwester (wasserdichte Kopfbedeckung für Seefahrer), sitzt auf dem Rücken des Pferdes, das bis zur Brust im Wasser gehend, ein schweres Sacknetz hinter sich anzieht. Meistens sind es schwere belgischen Kaltblüter Hengste der Brabanter oder Henngauer Rasse, die diese Arbeit verrichten, da eine ungewöhnliche Kraft und Widerstandsfähigkeit erfordert wird. In früheren Zeiten benutzen die Fischer Gebirgsmaulesel, die in Karawane zur Küste kamen. Was heute noch für die Badegäste inszeniert wird, diente damals an der gesamten belgischen Küste dem Broterwerb.

Von Zeit zu Zeit verlassen Fischer und Pferd das Wasser, um das Netz zu leeren und den Inhalt in die beiderseits der Flanken des Pferdes befestigten Körbe umzufüllen. Gleich nachdem der Fischer zu Hause angekommen sind, werden die Krabben gekocht und zum Kauf angeboten.

Die Krabbenfischer zu Fuss

Neben den Krabbenfischern zu Pferde gibt es auch die Krabbenfischer zu Fuss. Man nennt sie 'Träger' oder 'Kruwers' und das sind sowohl Männer als auch Frauen.

In der Tat spielen sie das 'Pferd', weil sie selbst das Netz durch das Meerwasser ziehen. Wirklich eine grossartige Leistung! Offensichtlich ist ihr Netz weniger breit und lang als das Netz der Pferdefischer. Für den Rest ist ihres Fangmethode nahezu identisch.

Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass die Krabben von Oostduinkerke, die köstlichsten der Welt sind. Feinschmecker schätzen die äusserordentliche Frische und den unvergleichlichen Wohlgeschmack.

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Kurioserweise reicht die Tradition der bisweilen phlegmatisch wirkenden Pferdefischerei genauso lang zurück wie das rasante Strandsegeln auf der bei Ebbe durchgehärteten Sandpiste, die bis zu 400 Meter breit werden kann. Und im „Nationale Fischereimuseum“ wird man durch Modelle von Fischerbooten, Seefahrtsgeschichte und Klabautermänner, die Bedeutung der Nordseekrabbe huldigen, beeindruckt.

 

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Zum Fischermuseum gehört selbstverständlich auch eine zünftige Fischerherberge aus der Zeit um 1900, in der (natürlich) Garnelen-Spezialitäten serviert werden. Die Krabbe also soll es sein: Garnelen forever! Stets absolut fangfrisch werden sie in den Küchen der westflämischen Küste verzaubert zu „Krabben-Tomaten“, „Garnelen-Kroketten“ oder zu „Seezunge mit Garnelen in Buttersauce“. Oder einmal ganz rustikal: Am Meer sitzen, mit einer frischen Portion Garnelen und einem leckeren Bier der Region in der Hand - flämische Nordsee, was willst du mehr?

Höhepunkt des Jahres bildet das grosse Krabbenfest im letzten Sonntag im Juni. Die Termine des Krabbenfischens richten sich natürlich nach den Gezeiten und fanden in diesem Jahr um 7:00 Uhr in der Früh statt.

Beim Krabbenfest führen die Fischer auch einen Wettstreit aus wer in diesen zwei Stunden am meisten Krabben gefangen hat.  Natürlich die Pferde- und Fussfischer getrennt.

Man hat Gelegenheit die frisch gekochten Krabben direkt zu probieren und anschliessend den Folklore Vorführungen zu huldigen. Auch der kleine Fischmarkt auf dem die berühmte Fischersuppe angeboten wird ist ein Besuch wert.

Meeressegnung und der grosse Krabbenfestumzug

 

Am Sonntag findet in der Sommerkappelle ein Gottesdienst statt, mit Segnung der Fischer, die anschliessend in einem Umzug zum Strand wechseln um der Meeressegnung beizuwohnen. Hierbei fährt der Priester mit einem Amphibienfahrzeug aufs Meer hinaus um die Segnung vorzunehmen. 

 

 

   

Der krönende Höhepunkt des Krabbenfestes bildet am Sonntag Nachmittag der grosse Festumzug, bei dem über 50 wunderschön geschmückte Wagen alles um die Fischerei darstellen. Aufgelockert wird der ganze Umzug durch viele Einzelgruppen und Musikkapellen so dass man gute zwei Stunden aus dem Staunen nicht mehr herauskommt Ein grandioses Wochenende das mir die Fischerei wirklich näher gebracht hat und zudem einen echten Fischerfreund den ich bereits am Freitag kennen lernen durfte und der mich aus erster Hand informierte. Auch am Samstag nach dem Wettfischen sassen wir wieder zusammen und am Sonntag beim Umzug (er war als Fischersfrau verkleidet und ich hätte ihn nicht erkannt) kam er freudestrahlend auf mich zu und hat mich nach dem Umzug zu sich nach Hause eingeladen, er feiere mit Familie und ein paar Freunden weiter und ich sei herzlich eingeladen.

   

 

WAR DAS EIN FEST!!

Etwa 30 Personen trafen sich in seinem grossen Garten und es gab Fisch in allen Variationen, gegrillt, frittiert, gekocht, natürlich auch Krabben, Langusten und frische Muscheln, dazu Wein und Bier bis zum abwinken. Gespann hörte ich die Fischergeschichten auch die von meinem neuen Freund Eddy. der schon als 14-jähriger mit seinem Vater zum Fische fuhr und später als selbstständiger Fischer tätig war. Da die Ausbeute immer geringer wurde und man sich in Oostduinkerke immer mehr auf den Tourismus konzentrierte fuhr Eddy noch 6 Jahre auf einem deutschen Fischfangschiff mit bevor er sich vom Meer verabschiedete und nun in einer Fischhandlung seine Arbeit fand. Durch die 6 Jahre auf dem deutschen Schiff beherrscht er auch die Sprache perfekt und konnte mir viel übersetzen. Es war ein einmaliges Erlebnis und ein echter Höhepunkt meiner bisherigen Reise. Diese Gastfreundschaft und Herzlichkeit hat mich echt überwältigt.

Da ich mir vorgenommen hatte am Montag Richtung Dünkirchen aufzubrechen und meine Standhaftigkeit anscheinen nicht so ausdauernd ist wie die der Fischer, habe ich mich um 4:15 Uhr verabschiedet um wenigsten noch ein wenig in meinem Kopfkissen zu liegen.

DANKE EDDY ICH WERDE DIESES WOCHENENDE NIE VERGESSEN!  ch m

Eine Auswahl aus über 2'000 Umzugsfotos findet ihr im Fotoalbum

Bilder zu den Folkloreaufführungen im Fotoalbum Folklore