Die 1. Weltkrieg Museen  Yserturm und Totengang in Diskmuide 

92 Jahre nach Ende des ersten Weltkrieges besuchte ich in Diskmuide zwei einmalige Museen  die sehr informativ und beeindruckend sind.  

Geschichtliches:

11. November 1918 - Ende I. Weltkrieg  

Am 11. November 1918, wurde der Erste Weltkrieg oder The Great War – Der Grosse Krieg, wie ihn die Alliierten nennen - offiziell beendet. Besonders verlustreich und demoralisierend war der Krieg in Flandern. Eine halbe Million Soldaten wurden in Flandern verwundet, verletzt oder getötet. Bombenkrater, die vernichtete Stadt Ypern und die Soldatenfriedhöfe wurden zum Mahnmal für den Frieden. "Nie wieder Krieg" hiess es beiderseits der Fronten. Diese Botschaft verkörpert das Mahnmal "Trauerndes Elternpaar" von Käthe Kollwitz, die ihren Sohn auf dem Schlachtfeld in Flandern verloren hat. Heute besuchen pro Jahr rund eine halbe Million Menschen aus aller Welt die Kriegsgräber in Flandern, um die Opfer nicht zu vergessen. 

   

Flanderns Schlachten  

"Flandern in Not - in Flandern reitet der Tod" heisst es in einem alten Volkslied. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs wurde dies furchtbare Wirklichkeit.

Erste Flandernschlacht 20. Oktober 1914 - 18. November 1914  

(Bild: Ypern nach den Kämpfen)  Südlich und nördlich der Stadt Ypern prallten die sich auf dem "Wettlauf zum Meer" befindlichen Armeen in einer Reihe von Schlachten aufeinander. Die bekannteste und blutigste war die um das Dorf Langemarck (Bild), bei der mehrheitlich junge Kriegsfreiwillige -Notabiturienten, Schüler, Lehrlinge - an die Front geworfen wurden. Die Verluste waren mit 108.000 Mann auf Seiten der Entente (Zur Entente bzw. zur Tripleentente hatten sich Frankreich und England sowie Russland vertraglich zusammengeschlossen. Seit Kriegsbeginn kämpften Serbien und Belgien an der Seite der Entente-Staaten. Später schlossen sich weitere Staaten diesem Bündnis an.) und 130.000 Mann auf deutscher Seite entsprechend hoch. Nun war es keiner Seite mehr möglich, die feindlichen Linien zu durchbrechen. Der Krieg verlief bis fast zum Ende in einem äusserst zermürbenden Grabenkrieg.  

Schlacht an der IJzer 1914  

Das Gebiet der Yser ist im Ersten Weltkrieg mit dem Blut hunderttausender Soldaten getränkt  worden.

Nach dem deutschen Überfall auf Belgien, nach zweimonatigen Kämpfen und Scharmützeln, zieht sich die belgische Armee hinter die Yser zurück. Mitte Oktober 1914 erreicht die erschöpfte belgische die Yserebene. Der Oberbefehlshaber, König Albert I., verlangt von seinen Soldaten, in einer letzten Anstrengung ein Stück belgischen Territoriums vor der deutschen Besatzung zu bewahren. Recht schnell wird deutlich, dass die belgische Armee den deutschen Angriffswellen nicht standhalten kann. Französische Marine-Füsiliers und senegalesische Tirailleurs eilen den Belgiern in Diksmuide zu Hilfe. Dies erweist sich als ausreichend, um Diksmuide als Brückenkopf über die IJzer bis zum 10. November 1914 zu besetzen.

(ein eindrückliches Bild der Stellungen und der vielen Bombentrichter)

Die Schlacht tobt, Angriffe und Gegenangriffe wechseln einander ab. Die Gräben werden erobert und gleich wieder zurückerobert. Der belgische Kommandant entscheidet sich, die Yserebene zu überfluten, um den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Dieses Manöver ist erfolgreich. Die ansteigenden Fluten verhindern die Durchbruchsversuche der Deutschen. Der Bewegungskrieg wird zu einem Grabenkrieg. Die Deutschen bleiben in der Nähe der Yser, die Belgier graben sich hinter dem Eisenbahndamm Nieuwpoort – Diksmuide ein. Zwischen ihnen gibt es nur Wasser und Sümpfe – bis Kriegsende.

 Als einziges Stück der ehemaligen Verteidigungsgräben aus dem ersten Weltkrieg ist in Diskmuide ein langes Stück der Nachwelt erhalten geblieben. Diese aussergewöhnliche Stätte ist auch ein Ort an dem Menschen gelitten haben. Tausende belgische Soldaten haben in dieser Sumpflandschaft einen Grabenkrieg, einen Zermürbungskrieg, einen Krieg ohne Ende geführt. Zu viele haben ihr Leben verloren um unsere Freiheit zu verteidigen. Der Totengang (Dodengang), wie diese Gedenkstätte heisst, ist nicht nur ein Platz der Informationen sondern vor allem einer der Besinnung und des Gedenken.

Museum Totengang (Dodengang)

 

Das heutige Museum der Totengang ist ein Netzwerk von mehr als einem Kilometer belgischen Schützengräben und Bunkern und wird von der belgischen Armee unterhalten und den Besuchern zugänglich gemacht. .

Er war eine der gefährlichsten belgischen Stellungen, nur 50 m von einem deutschen Bunker entfernt. Die Schützengräben waren daher beinahe ständig unter deutschem Beschuss. So konnten sie ihre Stellungen nur nachts weiterbauen unter schwersten Bedingungen und Anstrengungen. Die ganzen Sand- und Erdmassen mussten mühsam mit Loren herangekarrt werden um in mühsamer Handarbeit verarbeitet zu werden.  

Die Anlage wurde bis 2004 vollständig renoviert und ein Besucherzentrum eingerichtet. In letzterem werden die Positionen von Freund und Feind, die Zerstörungen in Dörfern und Städten sowie das Leben und die Gefechte in den Schützengräben an Hand von Karten, Fotos, Videos und Gegenständen illustriert. 

 

 

 

Bilder von Damals und Heute

 

 

 

 

   

Weitere Bilder im Fotoalbum Musem Totengang

Heute kann der Besucher über sauber angelegte und trockene Wege diese Schützengräben besichtigen und viele vergessen dabei, dass sie damals voll Wasser und Schlamm waren und die Soldaten durchnässt, frierend, verschmutzt und unter Todesgefahr ihren Dienst verrichteten mussten.     

Öffnungszeiten:

Vom 1. April bis 15. November täglich 10 bis 16:30 Uhr, vom 16. November bis 31. März Di und Fr 9:30 bis 15:30 Uhr

Eintritt frei

Ijzerdijk 65
B-8600 Diksmuide
Tel.: +32-(0)51-50 53 44 

Mehr über die Schlacht an der Yser unter:

http://www.1914-18.info/erster-weltkrieg.php?u=922&info=Schlacht-an-der-Yser-1914

http://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Flandernschlacht

Zweite Flandernschlacht 22. April 1915 - 25. Mai 1915 

Die deutsche Armee versuchte in einer erneuten Offensive, die alliierten Gegner zu überrennen. Dabei setzte die deutsche Armee zum ersten Mal Giftgas ein. Zwischen Steenstrate und Poelkapelle wurde für fünf Minuten Chloringas, ein Chlorgasderivat, aus 6.000 Stahlflaschen abgelassen. Eine weissgelbe Giftwolke wälzte sich auf 6 km Breite gegen die französisch-algerischen Stellungen. Das Ergebnis war verheerend, rund 5.000 französische Soldaten starben und etwa 10.000 wurden verletzt, dennoch musste die deutsche Oberste Heeresleitung wegen hoher Verluste den Durchbruchsversuch einstellen. Die Deutschen hatten etwa 35.000, die Briten 60.000 und die Franzosen 10.000 Mann Verluste.  

Dritte Flandernschlacht 31. Juli 1917 - 06.November 1917

Die Engländer begannen eine Offensive, die nach verlustreichen Kämpfen um das Dorf Passchendaele buchstäblich im Schlamm erstickte. Die Alliierten hatten den Verlust von 325.000, die Deutschen von etwa 260.000 Soldaten zu beklagen. Seither sagten die Soldaten: Die Steigerung der „Hölle von Verdun" heisst "Flandern". 

Der verlustreichste Grabenkrieg der Menschheit wütete während des Ersten Weltkrieges in Flandern. Das Ende des Ersten Weltkriegs ist aber auch gleichzeitig der Anfang der Friedensbewegung. Die Friedhöfe und Denkmäler für die rund eine halbe Million gefallenen Soldaten verkünden heute eine eindeutige Botschaft: "Nie wieder Krieg!"

Museum Yserturm 

Die Gedenkstätte an die im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten wurde ursprünglich als 50m hohes Yserkreuz errichtet und zum 100. Jahrestag der belgischen Unabhängigkeit am 24. August 1930 eingeweiht. Bei einem Attentat im Jahre 1946 wurde das Denkmal völlig zerstört und Anfang der 1950er Jahre begann man damit, aus dessen Trümmern den Yserturm zu errichten. Heute bietet das Museum auf 22 Etagen einen multimedialen Einblick in das Leben der flämischen Frontsoldaten und der Zivilbevölkerung während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Es gilt ausserdem als politisches Symbol der flämischen Emanzipation in Belgien. Mit 84m Höhe ist es das höchste Friedensmonument in Europa.

 

   

   

weitere Bilder im Fotoalbum Museum Yserturm

Der Turm ist jeden Tag geöffnet: Oktober bis März.: von 10 bis 17 Uhr. April bis September: von 10 bis 18 Uhr. Geschlossen: am 24., 25., 26., und 31. Dezember

Letzter Einlass 30 Minuten vor Schliessung.

Ijzerdijk 49
8600 Diksmuide
    * +32(51)500286
    * +32(51)502258
    http://www.ijzertoren.org/