Nieuwpoort, die Stadt die viele Kriege erdulden musste

Das flämische Nieuwpoort ist ein Badeort in Westflandern  an der belgischen  Küste und liegt an der Mündung der Yser in die Nordsee. Die Stadt besteht aus den beiden Teilen Nieuwpoort-Stadt und Nieuwpoort-Bad. Nieuwpoort ist Fischereihafen und quirlige Hafenstadt zugleich. Es gibt einen Markt für Meeresfrüchte, auf dem reichlich fangfrischer Fisch aus der Nordsee angeboten wird, sowie unzählige Fischrestaurants. Jeweils am Donnerstag findet nachmittags ein grosser Wochenmarkt statt.


Geschichtliches


Robrecht der Friese gründete im 11. Jahrhundert neben den Städten Ypern und Lille auch die neue Hafenstadt Nieuwpoort.

Im Jahr 1436 verwüsteten die Engländer von Calais aus kommend ganz West-Flandern, so auch Nieuwpoort.

Zwischen 1595 und 1605 fanden in der Grafschaft Flandern, zu der die Stadt Nieuwpoort zählte, zahlreiche Hexenprozesse statt. Für Nieuwpoort ist der Prozess um die "Hexe" Jeanne Panne überliefert.

Im Niederländischen Unabhängigkeitskrieg siegten am 2. Juli 1600 in der Schlacht bei Nieuwpoort die Niederländer unter Moritz von Nassau über die Spanier unter Erzherzog Albrecht.

mehr zur Schlacht von Nieuwpoort unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Nieuwpoort

Während des Ersten Weltkriegs wurde Nieuwpoort schwer beschädigt. Flandern galt als Hauptkampfgebiet. Die zwischen Nieuwpoort und Ostende errichteten Befestigungsanlagen wurden im Zweiten Weltkrieg zum Atlantikwall ausgebaut.

Interessantes zur Besetzung Belgiens von 1914 -1918 findet ihr hier:  http://users.skynet.be/fa972307/Deutsch/geschiedenis.htm

Bald nach 1918 wurde die Stadt mit neuem Grundriss, aber auch unter Beibehaltung historischer Strukturen wieder aufgebaut.

 

Nieuwpoort ist eine Stadt der Gegensätze.

Der moderne Hafen kontrastiert mit der mittelalterlichen Architektur der Altstadt.

O.L. Vrouwekirche

Die Hauptkirche von Nieuwpoort, die O.L. Vrouwekerk steht in der Nähe des Marktplatzes. Das eigentliche Kirchengebäude wurde nach der kompletten Zerstörung durch ein Bombardement im Ersten Weltkrieg zwischen 1920 und 1923 in dem Zustand von nach der Restaurierung um die Jahrhundertwende (1899 - 1905) wieder aufgebaut. Aus dieser Restaurierung ist auf der Südseite der Kirche eine Säule übrig geblieben, die auch jetzt noch an das Kirchenschiff erinnert, das im Jahre 1834 abgebrochen wurde.
Der Kirchturm datiert aus einer noch späteren Periode. Dieser Turm, der 1952 fertig gestellt wurde, beherbergt jetzt das Glockenspiel. Vor dem Ersten Weltkrieg stand hier ein Renaissanceturm aus dem 17. Jahrhundert, der jedoch komplett zerstört wurde.

 

 

  

     


Sint-Bernarduskirche
Die Kirche ist ein neoromanisches Bauwerk aus 1923, gebaut als Ersatz für einen ähnlichen Kirchenbau aus dem Jahre 1877. Nicht nur während des Ersten, aber auch während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche schwer beschädigt. Die Instandsetzungen aus 1947 bestimmen dann auch die jetzige Aussicht. Die Giebel aus gelbem Backstein ruhen auf einem Sockel aus Hartstein. Der stilistische Unterschied mit den gotischen Kirchen von Nieuwpoort-Stadt und Sint-Joris wird mit einem Blick deutlich. Bei dem romanischen Stil dominiert der Rundbogen und die Ornamentik ist in der Regel minimal. Dennoch ist die Stilreinheit durch den Gebrauch von Mauerstreben gegen das Turmgerüst und die Seitenschiffen, ein Element aus der Gotik, etwas geschädigt.

 
 

Rathaus

Das Rathaus datiert in seiner heutigen Form, in flämischer Neo-Renaissance, aus 1922.  Beim Aufbau nach dem Ersten Weltkrieg versuchte man alle wichtigen öffentlichen Gebäude in der Nähe des Marktplatzes zu konzentrieren. Für den Bau des neuen Rathauses mussten nicht weniger als vier Kaufmannfamilien ihre Wohnung räumen.  Zum Interieur gehören eine reiche Sammlung Kunstwerke, darunter Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde und Statuen. Über der Korbbogentür ist der ehemalige Wappenschild der Stadt angebracht. Dieser besteht aus einer Abbildung eines pflügenden Bauern und einem Fischer mit Anker. Oben drüber wird die lateinische Bezeichnung der Stadt, "Novus Portus" aufgeführt.

   

Das frühere Rathaus funktioniert jetzt als Polizeirevier und Gerichtsgebäude.

 

In der Mitte des Marktplatzes befindet sich ein Stein aus Hartstein mit der Freiheitskür oder Stadtskür von Nieuwpoort. Diese Freiheitskür wurde durch Philipp von den Elsass, Graf von Flandern, im Jahre 1163 an Nieuwpoort gewährt. Die Zuerkennung einer Stadtkür bedeutete für Nieuwpoort die komplette Autonomie auf verwaltungstechnischer, steuerlicher und juristischer Ebene. Diese Kür beweist die Wichtigkeit von Nieuwpoort im Laufe der Jahrhunderte.

 

Blick rund um den Marktplatz:

   

   

Stadthalle

Links neben dem Rathaus befindet sich die Nieuwpoorter Getreidehalle. Heute dient sie als Stadthalle. Dieses Gebäude wurde auf Königlichen Beschluss vom 25. März 1938 klassifiziert.
Man nimmt an, dass auf demselben Platz schon im Jahre 1280 eine Halle stand. Dies betont deutlich die blühende Handelsvergangenheit der Küstenstadt.
Die Halle wurde im Laufe der Zeit mehrmals zerstört. Die letzte Zerstörung datiert aus dem Ersten Weltkrieg. Danach wurde die Stadthalle im Jahre 1920 in dem ursprünglichen Stil und mit dem ursprünglichen Material wieder aufgebaut. In der jüngeren Vergangenheit waren hier verschiedene Museen untergebracht, aber seit der letzten Restauration im Jahre 1999 dient die Halle nur noch als vorübergehenden Ausstellungsraum und stellt einen erlesenen Dekor für festliche Empfänge durch die Stadtverwaltung dar. Im Moment befindet sich eine Kunstausstellung hier.

 

 

IJzerdenkmal

Es stellt eine Frau dar, die über einer hohen Säule, vom Feind abgewandt, die belgische Krone schützend in den Händen hält. Die vier Figuren um das Denkmal stellen den Widerstand (dargestellt durch einen Blinden, einen Verletzten, einen Kranken und einen wehrfähigen Soldaten) vor. Es wurde am 26. Oktober 1930 eingeweiht


 

 

Albert I Monument

Das König Albertmonument wurde auf Initiative und mit der Unterstützung der Kriegsveteranen des 1. Weltkrieges errichtet. Die Ufer der IJzer wurden wegen der wichtigen Rolle, die diesen Fluss während des Krieges spielte, hierfür gewählt.
Das Denkmal datiert aus 1938, ist kreisförmig und hat einen Durchmesser von 30m. Zwanzig Säulen aus Backstein aus dem IJzertal tragen einen Ringbalken mit einem Umfang von 100m, über einer kreuzförmigen Terrasse. Oben, auf dem Ringbalken gibt es einen Rundgang mit Orientierungstafeln, der eine wunderbare Aussicht auf die IJzerebene bietet.
Das Monument wurde in den Jahren 1973 - 1974 gründlich restauriert. Am ersten Sonntag im August findet hier die Nationale Ehrung für Seine Majestät König Albert I und die Helden der IJzer statt.

  
 


 

 

 

Fischermonument
Dieses Monument aus 1958,  erinnert an die während des letzten Krieges und später auf dem Meer gebliebenen Fischer. Jedes Jahr, am Pfingstmontag, werden diese Fischer hier geehrt.

 


Sint-Laurensturm oder Duvetorre

Diese Ruine ist ein Überbleibsel der ehemaligen Sint-Laurentiuskirche. Diese Kirche wurde mehrmals zerstört und im Jahre 1384 zu einer verstärkten Wasserburg umgebaut. Ca. 1820 wurde der alte Kirchturm, der als Beobachtungsposten fungierte, als Schiesspulverlager umfunktioniert. Im Jahre 1917, während des Ersten Weltkrieges, wurde der Turm beschossen und lediglich ein Drittel der ursprünglichen Höhe blieb übrig.
Im Volksmund wird dieser Turm "Duvetorre" genannt. Dies hat jedoch nichts zu tun mit den Tauben, die darin nisten, aber alles mit dem Teufel. Hier, im Schatten des Turms, feierte Jeanne Panne ihren Hexensabbat und hatte ihre Stelldichein mit dem Teufel.

 


Frontzate

Hier lief die Bahnstrecke von Diksmuide nach Nieuwpoort, auch bekannt als Linie 74.
Seit 1983 wurden diese verlassenen und inzwischen abgerissenen Gleise als Wander- und Fahrradroute freigegeben.
Zur Zeit des Ersten Weltkrieges war 'die Frontzate' eine wichtige Verteidigungslinie. Während dieses Krieges spielte Linie 74 eine wichtige strategische Rolle, u.a. während der Überflutung der IJzerebene als die Eisenbahn als Wehr fungierte. Während des Ersten Weltkrieges wurden kleine Bunker entlang der Eisenbahn gebaut. Diese backsteinernen Unterschlüpfe wurden in die Eisenbahnböschungen eingegraben. Etwa 70 Stück sind zwischen Nieuwpoort und Pervijze stille Zeugen dieses grausamen Krieges.

        

Wer eine natur- und geschichtsreiche Fahrradtour mag, wird sich hier bestimmt wohl fühlen und kann mit mir diese Strecke virtuell nachvollziehen unter:
http://www.a-trip.com/tracks/view/53079
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Bitte habt etwas Geduld, es dauert einen Moment bis die 92 Fotos und die Google Karte geladen ist. Klickt dann auf das Symbol links Karte und ihr könnt mit mir die Route abfahren. 

 

Viele Bunker aus den beiden Weltkriegen findet man noch rund um Nieuwpoort

Diese deutschen Bunker sind Bestandteile der Küstenbatterie W.N. Karthauserdünen und befinden sich  auf einer Wiese zwischen Nieuwpoort und Oostduinkerke entlang dem Nieuwpoortsteenweg.  Bei der Besichtigung fallen einem die vielen, immer noch gut sichtbaren, Bombenkrater auf die sich rund um die Bunkeranlage befinden. Verschiedene Gedanken gehen da einem durch den Kopf. Schlimme, aber auch ganz spontane, wie zum Beispiel beim betrachten der Schafe und Esel die hier ihre Weide haben und alles mit ihrem Kot bereichern. Sind diese Tiere etwa gescheiter als die Menschen.... denn Krieg ist wirklich SCHEISSE!

   

   

In dieser Umgebung  gibt es auch noch kleinere Bunker vom ersten Weltkrieg  zu sehen

   

Diese deutsche Kasematte war ein Teil von Widerstandsnester (W.N). Coxyde II während des Zweiten Weltkriegs.

 

Gebäude 'White Residence'

Damals “Le Grand Hôtel” genannt.
Monumentale und geschützte Giebel aus 1924 nach einem Entwurf des Architekten A. Lagache. Graue Giebel (1924) aus Naturstein (Hartstein) und verputztem Backstein. Barockinspirierte Ornamente mit Balkonen und Balustradesäulen, Girlanden und Medaillons, Festons und Blumenmotiven, profilierten Bögen und Skulpturen.

 

Leuchtturm

Der Leuchtturm, am rechten Ufer der IJzermündung gelegen, hat eine bewegte Geschichte. Er wurde im Jahre 1881 auf 100m des Meeres und auf 250 m der IJzermündung, als Ersatz für den alten Vierboete, der am linken Ufer und mehr stadteinwärts stand, also zu weit vom Meer um normal zu funktionieren, gebaut.
Der neue Turm war 28m hoch und bildete zusammen mit dem Doppelhaus für den Leuchtturmwächter einen Komplex. Er wurde beleuchtet mit Mineralöl und strahlte ein festes rotes Licht aus.
Ende Oktober 1914, während der IJzerschlacht, wurde der Leuchtturm kaputtgeschossen. Er wurde im Jahre 1923 in Backstein wieder aufgebaut und war mit einem elektrischen "Blitzlicht" ausgerüstet.
Beim Abzug im September 1944 haben die Deutschen den Turm gesprengt. Im nächsten Jahr wurde vorläufig eine 15 m hoher Signalpylone auf eine Düne gesetzt.
Der jetzige Leuchtturm wurde im Jahre 1949 in Betrieb genommen. Diesmal ist es eine Betonkonstruktion, bemalt mit weissen und roten Streifen, was sich sicherlich hinsichtlich Sichtbarkeit und Erkennbarkeit als Bake günstig auswirkt. Er reicht 27 Meter über dem Meeresspiegel, die Lichtquelle schafft 29 m. Das rote Schwenklicht strahlt alle 14 Sekunden einen Lichtblitz aus. Der letzte Leuchtturmwärter hat seine Funktion bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1963 erfüllt. So verlor der Leuchtturm ein Stückchen Romantik ... Seitdem wird die Wirkung des Leuchtturms mit einer elektronischen Fernbedienung aus dem Lotsenwesengebäude auf der anderen Seite der IJzermündung geregelt.


 

Eine Stadt mit Charme

Obwohl Nieuwpoort im ersten und zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, hat die Stadt Dank liebevollem Wiederaufbau ihren historischen Charakter behalten.  Naturschutzgebiete, Dünenblumen, eine verkehrsfreie Strandpromenade, der grösste Jachthafen der Nordsee, gute Restaurants - hier ist Urlaub angesagt und lässt es sich gut Leben.

Weitere Bilder im Fotoalbum Nieuwpoort

kommt mit auf einen virtuellen Spatziergang durch Nieuwpoort

Belagerungen von Nieuwpoort:
Ein natürlicher Hafen wie Nieuwpoort musste wohl oder übel Ziel vieler militärischer Ambitionen werden. Ohne von den Römern, Wikingern und Konsorten reden zu wollen, hat die Stadt die nachstehenden Belagerungen überlebt:

  • 1213 französische Belagerung und Zerstörung der Stadt.

  • 1299 dito

  • 1328 dito

  • 1383 diesmal die Genter. Die Stadt wird angezündet und zerstört.

  • 1489 Franzosen, Brügger und Genter: die Belagerung wird dank der Hilfe der mutigen Nieuwpoorter Frauen, von denen Mathias Reynoudt sagt, dass sie "soo cloeckelijkcke" wie Amazonen gekämpft haben, abgewehrt!

  • 1576-1583 Besatzung durch die Holländer.

  • 1600 die berühmte Schlacht bei Nieuwpoort. Nach ihrem Sieg in Lombardsijde kommen die Holländer und beschiessen die Stadt. Die Belagerten brechen einige Male aus und die Belagerer ziehen ab.

  • 1647 eine Belagerung durch den französischen General Turenne wird abgewehrt.

  • 1658 erneut die Franzosen mit demselben Resultat.

  • 1745 die französischen Armeen greifen die Stadt an, die sich ergeben musste.

  • 1793 der französische General Van Damme belagert Nieuwpoort sechs Tage und gibt auf.

  • 1794 erneut die Franzosen, die dieses Mal die Stadt einnehmen.

  • 1914 Nieuwpoort wird durch die deutsche Artillerie praktisch völlig zerstört, aber dank der Überflutung der IJzerebene nie eingenommen.

  • 1940 die Stadt wird durch die Deutschen beschossen und besetzt. Dies Mal für mehr als vier Jahre.

 ... wer das übersteht, gehört zu einer zähen Rasse!

Und zum Schluss noch dies: Auf meinem Spatziergang traf ich eine Schwanenfamilie die sich mit ihren Jungen bei einem wunderschönen Teich aufhielt. Klar dass ich dieses Fotomotiv festhalten wollte was der Schwanenmamma aber gar nicht gefiel......

   

Zuerst fauchte sie mich nur an, ich fühlte mich ja auch Sicher da ein massiver Zaun zwischen uns stand,.aber "ohä lätz" mit einem schnellen griff durch den Zaun erwischte mich die Schwanenmutter genau dort wo es am meisten weh tut  und wie ...... 

zuerst nahm sie Mass mit dem linken Auge, dann mit dem rechten, dann zielte sie....

   

.... und danach verdrehte ich meine  beiden Augen... aaaauuuutsch