Das Atlantikwall Freilichtmuseum Provinzialdomäne Raversijde Ostende

Das Herzstück der Provinzialdomäne Raversijde bildet die ehemalige königliche Domäne des Leopold II. (1902). In den zwei Weltkriegen wurde die Domäne in der deutschen Küstenverteidigung eingesetzt. Nach der Regentschaft (1944 - 1950) liess sich Prinz Karel endgültig in Raversijde nieder. 1981 verkaufte er die Domäne dem belgischen Staat. Dem Prinzen ist es zu verdanken dass die Atlantikwall Verteidigungsanlagen der Nachwelt erhalten geblieben sind.

Im naturgeschützten Dünengebiet befindet sich ein einzigartiges, historisches Beispiel des modernen Festungsbaus: sechzig Konstruktionen aus den zwei Weltkriegen sind durch zwei Kilometer offener oder unterirdischer Gänge verbunden und zu besichtigen. Dieses aussergewöhnliche Ganze ist besonders gut erhalten geblieben, weil sich Prinz Karl systematisch jedem Versuch zum Abbruch widersetzt hat.

Das Freilichtmuseum bietet einem  die Möglichkeit die Atmosphäre des längsten Tages zu erleben.

Aachener Batterie
Die Stellungen der Aachener Batterie stammt noch aus dem ersten Weltkrieg und wurde 1915 erbaut. Von dieser Küstenbatterie, der einzigen ihrer Art, die den Zahn der Zeit überlebt hat, sind sehr viele Elemente erhalten geblieben: zwei Beobachtungsbunker, vier Geschützbettungen mit zugehörigen Munitionslagern und ein bombensicherer Luftschutzraum.

Im Ersten Weltkrieg wurde das gesamte Küstengebiet, um die Häfen herum sowie auf und hinter den Dünen, mit einer beeindruckenden Reihe von 35 Batterien ausgestattet mit allen möglichen Geschützen, vom leichten Fliegerabwehrgeschütz bis zur schweren Schiffskanone. Diese gewaltigen Verteidigungsanlagen, diente zwanzig Jahre später beim Entwurf des Antlantikwalls als Vorbild..

 

Die Batterie setzte sich aus vier Marinegeschützen vom Typ 15cm S.K. L/ 40 zusammen, die 1901 in den Krupp-Fabriken hergestellt worden waren. Seit 1986 hat man durch Bauarbeiten zwei Geschützbettungen freigelegt, die unter Sand und Pflanzen vergraben lagen ; sie sind fast unversehrt, die Kanonen jedoch, die am Ende des Krieges funktionsunfähig gemacht worden waren, wurden 1923 verschrottet ; heute sind nur noch die Bolzen da. Rechts und links können Sie zwei runde Öffnungen erkennen. Sie stehen mit den Munitionsräumen in Verbindung, die unter den Geschützbettungen liegen.


  

    
 

Kilometerlange Gänge, teil oberirdisch teils unterirdisch verbanden die verschiedenen Stellungen, Personalbunker und die notwendigen Einrichtungen wie Toiletten, Vorratskammern und eine Sanitätswache untereinander.

   

  

Das Charakteristikum eines Beobachtungsbunkers ist dieser breite Schlitz, der stets einen Rundblick über das Meer ermöglicht. Auf dem Dach war ein Telemeter angebracht, mit dem man die Entfernungen zum Ziel abmessen konnte. Sobald die Informationen vermerkt waren, wurden sie in den Rechenraum hinter Ihnen weitergeleitet; dort wurden die Schuss-Koordinaten in Ziffern umgesetzt.

   

   

 

Auf Grund der immer dichter und heftiger werdenden, britischen Bombardierungen wurde die Batterie ab 1916 mit einem bombensicherer Unterstand ausgestattet ; er ist sehr gut erhalten. Aus Wellblech gemacht und mit Beton und Sand bedeckt. Er war nach hinten zum Hohlweg hin mit einem Notausgang versehen. Das Innere wurde genau rekonstruiert ; auf den groben Bänken warten die Soldaten auf das Ende des Alarms.

 

 

Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts liess der Staat hinter den Dünen zwei Leuchttürme errichten. Sie dienten dazu, den Schiffern den Weg zu weisen, und die Ausrichtung ihrer beiden Lichter zeigte den schiffbaren Bereich des westlichen Fahrwassers der Stroombank an. Damit der Feind sie nicht als Orientierungspunkte benutzen konnte, brachten die Deutschen sie mit Hilfe eines Schneidbrenners zum Umstürzen; diese Türme wurden seitdem nicht mehr wiederaufgebaut, und die letzten Überreste von ihnen sind, 1931, verschwunden.

 

Stützpunkt Bensberg

In diesem Stützpunkt bekommt man einen guten Einblick in die Quartiere der Mannschaft und den Nebengebäuden die  im Zweiten Weltkrieg gebaut wurden. Viele Bunker wurden von den Pionieren auf den Namen eines deutschen Komponisten getauft : Haydn, Mozart, Bach, Händel… ; die Pioniere, die immer als erste auf dem jeweiligen Gelände ankamen, haben die gesamte Küstenverteidigungslinie aufgebaut.
Der Bunker zeigen den Alltag der Soldaten des Pionierkorps. In diesem sehr engen Raum schliefen sechs bis zwölf Männer auf Etagenbetten aus Holz oder Eisen. Das Mobiliar war bescheiden; manchmal klappte man Tische und Stühle zusammen, um Platz zu gewinnen. Der Kohlenofen, ein spezielles Modell für Bunker, war mit einem gassicheren Verschluss ausgestattet, den man im Fall eines Angriffs betätigte.

 

   

 

 

 

Zu sehen ist auch ein Vorratsraum in dem die eisernen Reserven an Büchsen und Getränken gelagert wurden. Diese wurden aber nur in Notfällen verwendet, da die Armee ihre Verpflegung in ihrer Umgebung auf dem Lande und in der Stadt bezog. In Raversijde gab es einen regelrechten Gemüsegarten, in dem die Soldaten auch Hühner, Kaninchen und Schweine züchteten, um das Alltägliche Kriegsleben etwas schmackhafter zu machen. In solchen Bunkertypen wurde aber auch Brennstoff und Munition für Handfeuerwaffen gelagert.

 

 

 

     

Selbstverständlich gab es auch ein Militärlazaret  der nach dem deutschen Komponisten Carl Millöcker benannt wurde. Hier hat man erste Hilfe geleistet, nicht nur den Soldaten der Batterie, sondern auch denen der Luftwaffe vom benachbarten Flugplatz Ostende. Schwere Fälle wurden in die Militärkrankenhäuser von Ostende oder Brügge weitergeleitet. Dieser Bunker wurde regelmässig vom Deutschen Roten Kreuz besucht, bei Inspektionen, oder auch von Beamten, die die Arzneimittellieferungen begleiteten: solche Besucher trugen dann, der Gepflogenheit in Deutschland entsprechend, eine graue Uniform, ohne jedoch in der Armee zu sein.
 

Auf einer kleine Ebene zwischen den Bunkeranlagen die als Appellplatz diente ist eine Auswahl an Strandhindernisse, die in Rommels Auftrag angebracht wurden. Dem jeweils angestrebten Ziel entsprechend waren sie unterschiedlichen Typs. Teilweise einfache Holzpfähle die aufs Meer hinaus gerichtet im Sand eingeschlagen wurden und an der Spitze eine Miene oder Granate befestigt wurde.

      

Auf diesem Appellplatz mussten  jeden Morgen die Soldaten auf ihr aufrufen antworteten. Eine Batterie umfasste in der Regel ungefähr 136 Soldaten, darunter einen Offizier, 25 Unteroffiziere, 39 Marineartilleristen und 71 Soldaten. An dieser Stelle wurde auch hoher Besuch empfangen, darunter Admiral Dönitz und, am 21.Dezember 1943, Generalfeldmarschall Rommel, der zu einer Inspektion gekommen war.

ENIGMA-Chiffriermaschine

Mit Hilfe dieser ENIGMA-Chiffriermaschine wurden Nachrichten verschlüsselt oder entschlüsselt.Das Knacken des Kodes durch die Alliierten ist eines der am besten bewahrten Geheimnisse aus dem Zweiten Weltkrieg und hat u.a. dazu geführt, dass der unbeschränkte U-Boot-Krieg im Atlantik beendet werden konnte. Enigma-Maschinen gehören zu den grossen Seltenheiten in den Kollektionen der europäischen Museen.

Die Kompromittierung der ENIGMA wird als ein strategischer Vorteil angesehen, der den Alliierten den Gewinn des Krieges erheblich erleichtert hat. Es gibt sogar Historiker, die diese Tatsache für kriegsentscheidend halten, denn die Entzifferungen waren nicht nur auf militärisch-taktischer Ebene (Heer, Luftwaffe und Marine) eine grosse Hilfe, sondern sie erlaubten aufgrund der nahezu vollständigen Durchdringung des deutschen Nachrichtenverkehrs auf allen Ebenen (Polizei, Geheimdienste, diplomatische Dienste, SD, SS, Reichspost und Reichsbahn) auch einen genauen Einblick in die strategischen und wirtschaftlichen Planungen der deutschen Führung. Speziell schätzten die Alliierten die Authentizität der aus ENIGMA-Funksprüchen gewonnenen Informationen, die aus anderen Quellen, wie Aufklärung, Spionage oder Verrat, nicht immer gegeben war. So konnten die Briten ihre zu Beginn des Krieges noch begrenzten Ressourcen optimal koordinieren und gezielt gegen die deutschen Schwächen einsetzen, und später, zusammen mit ihren amerikanischen Verbündeten, die Überlegenheit noch besser ausspielen.
Mehr zur ENiGMA unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Enigma_%28Maschine%29

 

 

Im Museumspark befindet sich auch ein Denkmal zur Erinnerung an Prinz Karel (1903 - 1983), Grafen von Flandern. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Prinz sechs Jahre lang Regent von Belgien (1944 - 1950). Das Denkmal befindet sich gerade dort, wo er sich seit 1950 aufgehalten hat.



Zum Denkmal gehören auch der “Pavillon des Prinzen”, eine einfache Fischerwohnung aus dem neunzehnten Jahrhundert, die vom Prinzen als Wohnraum benutzt wurde.

 

     

Der Flämische Saal beherbergt eine biographische Ausstellung, die anhand von Bildern, persönlichen Erinnerungen, Uniformen und Kunstgegenständen das Leben des Prinzen Karel zu veranschaulichen versucht. Besondere Aufmerksamkeit wird seiner Jugend, seiner Militärzeit bei den britischen Seestreitkräften (während und nach dem Ersten Weltkrieg) und der Regentschaft gewidmet. Es werden auch einige Gemälde von Hand des Prinzen ausgestellt (mit dem Namen "Karel von Flandern" unterzeichnet).

Es versteht sich von selbst, dass ich hier nur einen ganz kleinen Einblick in das historische Museum, das für alle Geschichtsinteressierten sehr zu empfehlen ist geben kann. Wer mehr darüber sehen will kann das in meinem
Fotoalbum: Freilichtmuseum Raversijde tun.

Wer mehr darüber erfahren will kann das unter: http://www.west-vlaanderen.be/kwaliteit/Leefomgeving/raversijde/willkommen/Pages/default.aspx
 

Wer das Museum auf seinen Besuchsplan setzen möchte hier die Koordinaten:

Domeine Raversijde  Nieuwpoortsesteenweg 636,
8400 Oostende

T +32 59 70 22 85
F +32 59 51 45 03
E domein.raversijde@west-vlaanderen.be

INFO:

Hunde nicht erlaubt

Öffnungszeiten: 1. April bis 11. November: 14:00 - 17:00 (Eintritt bis 16:00)
Samstage, Sonntage und Schulferien: 10:30 - 18:00 (Eintritt bis 17:00)

Kombi-Karte (3 Museen + Audioführer)
Erwachsene: € 9,75
Reduktion: € 8,10 (ab 65 Jahre) 
Kinder - 12 Jahre (mit Familie): frei

Eintrittspreise pro Museum (mit Audioführer)
Erwachsene: € 6,50
Reduktion: € 5,40
Kinder - 12 Jahre (mit Familie): frei