RANVILLE – BENOUVILLE 

Nachdem ich bereits den Landungsstrand Juno  Beach besuchte, da ich mich dort mit lieben Freuden getroffen hatte, führte mich mein D-Day Besichtigungsweg wieder zurück zum Sword Beach, der während der Landung der Alliierten den Küstenabschnitt zwischen Ouistreham  an der Ornemündung und Saint Aubin-sur-Mer bezeichnete, Sword war der östlichste der alliierten Landezonen.  

Zuerst begab ich mich, etwas in südlicher Richtung landeinwärts, nach Ranville-Benouville, die am D-Day, durch die  Operation Tonga, eine ganz besondere Rolle spielten, in die Geschichtsbücher eingingen und das Wort erste zum Superlativ werden liessen. Ranville und Bénouville sind Gemeinden im Kanton Ouistreham des Departements Calvados in der Region Basse-Normandie. Sie liegen etwa zehn Kilometer nordöstlich der Stadt Caen.. In der Nähe von Bénouville fliesst der Caen-Kanal, und von Ranville die Orne.

Operation Tonga

Die Operation Tonga fand in der Nacht vom am 5. auf den 6. Juni 1944 statt. Die 6. Britische Luftlandedivision  landete im Verlauf der Operation, mit Gleitern  und Fallschirmen in dem hinter dem Strandabschnitt Sword gelegenen Teil der Normandie, um wichtige Schlüsselbrücken  zu nehmen, deutsche Panzerverbände vom Strand fernzuhalten und eine Artilleriebatterie bei Merville  sowie deutsche Nachschubwege zu zerstören.

Das Hauptziel der Brückeneroberung war die Sicherung der Ostflanke der Invasionstruppen in der Normandie. Es sollte verhindert werden, dass die Truppen durch einen Gegenangriff seitlich „aufgerollt“ werden würden. Die Ostflanke stellte der Fluss Orne und der Caen-Kanal dar. Eine Eroberung dieser Brücken in Ranville und Benouville würde also die gesamte Flanke sichern. 

Der erste Angriff wurde durch 181 Soldaten des 2. Oxfordshire und Buckinghamshire Leichten Infanterieregiments unter Führung von Major John Howard ausgeführt. Sie waren die ersten alliierten Soldaten die am Tax X  französischen Boden betraten und es war der erste Kampf zur Befreiung Frankreich und Europa.

Drei Lastensegler landeten am 6. Juni 1944 um 00:16, 00:17 und 00:18 Uhr punktgenau nah beieinander und nur 50 Meter von der Brücke entfernt. Der erste Lastensegler Nr. 92 transportierte Major Howard und den 1. Zug. Geplant war eine harte Landung, damit die Flugzeugnase die ersten Stacheldrahtverhaue vor der Brücke beseitigen würde, was aber zur Folge hatte, dass die beiden Piloten durch die Plexiglasverkleidung des Cockpits nach draussen geschleudert wurden.

    

      

Den Soldaten waren erstaunt, dass trotz der nähe von nur 50 Metern und der harten Landung die Deutschen nichts bemerkt hatten und alles ruhig blieb.

Der 1. Zug befreite sich schnell aus dem Lastensegler und konnte ebenso schnell eine erste Maschinengewehrstellung an der Brücke ausschalten. Der Rest des Zuges unter Leutnant Brotheridge überquerte schiessend und Handgranaten werfend die Brücke, wobei Leutnant Brotheridge tödlich getroffen wurde. Er war damit das erste Opfer der Invasion auf alliierter Seite. 

Der 2. Zug, der um 00:17 Uhr landete griff sofort unterstützend bei der Überquerung der Brücke ein. Die Landung des 3. Zuges um 00:18 Uhr verlief nicht so reibungslos, da die Männer durch die harten Landung im Wrack eingeklemmt waren und sich erst befreien mussten. Einer der Soldaten wurde aus dem Lastensegler herausgeschleudert  in den nahegelegenen See.

Während des Angriffs erklommen Pioniere die Brücke, stellten dabei fest, dass sie für eine Sprengung vorbereitet war, aber der Sprengstoff aus Angst vor Sabotageaktionen der französischen Resistance noch nicht vor Ort war. Die Bénouville-Brücke,  die später zu Ehren der britischen Luftlandetruppen, deren emblematische Figur Pegasus ist,  in  Pegasus-Brücke umbenannt wurde, war damit unter britischer Kontrolle und die erste Brücke die am D-Day erobert wurde.

40 Minuten nach der Eroberung der Brücke sprangen Teile der 6. Britischen Luftlandedivision mit Fallschirmen ab, um die Verteidiger der Brücke zu unterstützen und mit weiteren Lastenseglern vom Typ Horsa wurde schweres Material herangeführt .

Das Dorf von Bénouville wurde um 02:30 Uhr vom 13 britischen Fallschirmjäger-Bataillon von Lancashire befreit und das Rathaus nimmt für sich in Anspruch, das erste befreite Rathaus in Frankreich zu sein.  In Ranville sammelten sich die britischen Soldaten rund um die alte Mühle und griffen von dort aus die deutsche Garnison an.

Heute befindet sich bei der Mühle, neben der neugotischen Kirche, ein Soldatenfriedhof auf dem 2.151 britische, 76 Kanadische,  je ein australischer, neu-seeländischer, belgischer, polnischer und ein unbekannter Soldat sowie 5 französische ihre letzte Ruhe gefunden haben.  Auf dem Kirchen-Friedhof sind weitere Gräber der Briten zu finden, unter ihnen auch das von Leutnant Brotheridge,. der als erster alliierter Soldat am D-Day gefallen ist. 

An der alten Mühle findet sich auch eine Gedenktafel  zur Erinnerung  an die Brigade Piron. Oberst Jean Piron (1896-1976) nahm bereits am ersten Weltkrieg teil, den er mit dem Rang eines Hauptmanns abschliesst.  1940 wurde er zum stellvertretenden Stabschef des 5. belgischen Armeekorps berufen. Er wurde von den Deutschen gefangen genommen und zwei Fluchtversuche misslangen. Beim dritte Mal gelang seine Flucht nach England. 1943 übernimmt er den Befehl über die belgische 1. Infanterie Brigade, auch bekannt als die "Brigade Piron", die eine belgische und luxemburgische Armee-Einheit die der britischen 6. Airborne Division unterstellt war. Bei der Landung am D-Day wurde sie, zur grossen Enttäuschung ihrer 2.200 Männer, aber noch nicht eingesetzt. Die Brtigade nahm erst später an der Schlacht um die Normandie und später die Befreiung von Belgien und den Niederlanden teil.

 

      
 

Da ich drei Nächte bei der Pegasusbrücke verbrachte liess ich es mir nicht nehmen um genau 00:16 den Platz des Geschehens zu besuchen und die Eindrücke auf mich einwirken zu lassen, während die Büste von Major John Howard auch den Blick auf die Brücke richtet.

   

     

Wenige hundert Meter weiter östlich überspannte die Ranville- oder Horsabrücke, wie sie später umbenannt wurde in Erinnerung an die Horsa Lastensegler,  die Orne. Diese war das zweite Ziel der Briten und wurde von drei weiteren Lastenseglern angeflogen. Einer der Gleiter verfehlte die Landezone und landete mehrere Kilometer von der Brücke entfernt, so dass dessen Soldaten nicht in die Kämpfe eingreifen konnten. Die anderen beiden Lastensegler landeten aber in der Nähe. Der 6. Zug landete zuerst und begann den Angriff auf die Brücke. die  ohne grösseren Widerstand erobert werden konnte. Damit war dieser Einsatz ein voller Erfolg für die britischen Truppen. Heute erinnert eine Ehrentafel bei der Brücke an dieses Ereignis. 

      

Mit vergleichsweise geringen Verlusten wurden beide Brücken innerhalb von 10 Minuten erobert. Die Landung der Lastensegler in den sehr engen Landezonen wurde später vom Oberkommandierenden der alliierten Luftstreitkräfte während der Invasion, Vizeluftmarschall Leigh-Mallory, als „eines der überragendsten Flugmanöver des Krieges“ gewürdigt.

Erwähnen muss man bei dem Angriff auf die Brücken auch die Rolle des 7. Fallschirmjägerbataillons, das mit 600 Männern westlich des Caen-Kanals absprang und dadurch am 6. Juni die Hauptmacht der deutschen Gegenangriffe auf die Brücken abfangen musste. Durch die widriger Wetterbedingungen landeten sie aber weit verstreut. Nur etwa 300 Soldaten fanden sich am Sammelpunkt ein. Sämtliche Ausrüstung wie Maschinengewehre, Mörser usw. war vermisst. Trotzdem errichteten sie einen Brückenkopf um die Pegasusbrücke und wehrten ständige feindliche Gegenangriffe ab, obwohl diese auch von gepanzerten Fahrzeugen unterstützt wurden. Im Ort Bénouville wurden einzelne Einheiten teilweise von deutschen Streitkräften eingekreist.

Die ersten Verstärkungen, die vor Ort erschienen, waren die 6. Kommandos unter der Führung von Lord Lovat, die unter Dudelsackklängen in Richtung der Brücken marschierten. Diese Verstärkungen waren aber eigentlich nicht für die Besatzer der Brücke bzw. das 7. Bataillon gedacht, sondern es war Aufgabe der 6. Kommandos, über die Brücke zu marschieren und das Gebiet östlich des Caen-Kanals zu sichern, das noch von Einheiten der deutschen 716. Infanteriedivision gehalten wurde. Das 7. Bataillon musste unter großen Verlusten noch bis 21:15 Uhr aushalten, bis das Royal Warwickshire Regiment seinen Weg von den Invasionsstränden zu den Brücken gefunden hatte und Bénouville befreite.

Der Kampf um die Pegasusbrücke wurde zu einem der bekanntesten Ereignisse der alliierten Invasion in der Normandie. Viele Filme, Bücher und andere Medien verarbeiteten den Kampf um die Pegasusbrücke. Im 1962 erschienenen Spielfilm „Der längste Tag“ wird die Eroberung der Pegasusbrücke unter dem Befehl von Major John Howard, der bei den Dreharbeiten als Berater anwesend war,  (gespielt von Richard Todd) nachgestellt.

Major John Howard

John Howard wurde am 8. Dez 1912, als erstes von neun Kindern geboren, und wuchs an Londons Westende auf. Mit 19 Jahren leistete er seinen Armee Dienst und arbeitete danach 18 Monate als Polizist in Oxford. Als der zweite Weltkrieg begann kehrte er wieder in die Armee zurück.  

Howard wurde im Sommer 1944 zwei Mal verwundet und kehrte dann im September zur Genesung nach England zurück. Mitte November verletzte er sich wieder als er bei einem militärischen Fahrzeugunfall schwerste Bein- und Hüfte-Verletzungen erlitt und  bis im März 1945 im Krankenhaus bleiben musste.. Er verliess das Militär am Ende des Krieges und arbeitete später für ein britische Ministerium. 

Howard erhielt viele Auszeichnungen und Ehrungen. Darunter die zweit-höchste Auszeichnung  Grossbritanniens für seinen Mut. Zum 10. Jahrestag des D-DAYS empfing er den Croix de Guerre Avec Palme von der französischen Regierung, die die Caen Kanal-Brücke in Pegasus Bridge umbenannte in Anlehnung an das fliegende Pferd das als Emblem der britischen Luftlandetruppen gilt. Auch die Strasse, die die Brücke überquert, wurde spätere umbenannte in Promenade-Major John Howard.

Howard kehrte häufig in die Normandie zurück um an den Zeremonien zum Jahrestag teilzunehmen und um seine Kameraden wieder zu treffen. Dabei besuchte er auch immer die Familie Gondree, Eigentümer des Cafés direkt bei der Pegasus Bridge,  in dem er damals seinen Kommandostand einrichtete. Dieses Café war das erste befreite Gebäude am D-Day in Frankreich.

Familie Gondree hat auch die französischen Resistance regelmässig über die deutschen Truppen, die in ihren Café ein und aus gingen, ihrer Bewaffnung und Stärke informiert

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Major John Howard, starb am 5. Mai 1999 in einem Krankenhaus in Surrey, England. Er wurde 86 Jahre alt und hatte in Burford in der Nähe von Oxford gelebt.

Die Pegasus Bridge wurde 1993 durch eine neue Brücke ersetzt die dem heutigen Verkehrsaufkommen gerecht wird. Die alte wurde unweit ihres ehemaligen Standort in einem Park wieder aufgebaut und ist das Prunkstück eines Museums  das dem D-DAY gedenkt und am 6. Juni 2000 von Prinz Charles eröffnet wurde.

   

   

Mémorial Pegasus

Avenue du Major Howard - 14860 RANVILLE        (Besucher 2009  110'000)
Tel.: 02 31 78 19 44 - Fax: 02 31 78 19 42
E-mail : info@memorial-pegasus.org
http://www.memorial-pegasus.org

Erleben Sie hier die Geschichte über die Eroberung der Brücke, und die tapferen Kämpfe für die Befreiung der Region. Das Museum birgt hunderte von authentischen bewegenden Erinnerungsstücken, darunter natürlich das Original der berühmten Pegasus-Bridge. Im Park des Museums ist ein originalgrosser Nachbau eines Gleitflugzeugs aus dieser Zeit zu sehen.

Geöffnet vom 01.02. bis 30.11.      Eintritt für Erwachsene : 6 €       Besucher 2009:  110'000

Info für Wohnmobilfahrer:. Auf dem Parkplatz direkt gegenüber des Museumspark kann man kostenfrei und von der Polizei geduldet über Nacht stehen bleiben. In der Nacht ist die Museumsbrücke und der Landeplatz der Lastensegler beleuchtet und geben dadurch ein ganz besonderes Erlebnisgefühl wieder. 

    

Die beiden Orte haben aber neben dem historischen auch noch mit anderen Reizen aufzuwarten. Schon von der Pegasusbrücke aus schweift der Blich auf ein Schönes neoklassizistisches Schloss aus dem 18. Jh.  am Caen Kanal das meine Neugierde weckte.

Das Schloss de Bénouville wurde 1769 vom Architekten Claude Nicolas Ledoux (1736–1806) entworfen und  1770--80 auf Bitte von Hyppolite-François Sanguin, Marquis de Livry (1715-1789) und seiner Marquise Thérèse Bonne Gillain de Bénouville, Erbin des Grundstückes gebaut. Das Interieur stammt aus der Zeit von 1778 bis 1780 und wurde unter Leitung  von Jean-François-Étienne Gilet, Architekt aus Caen, eingerichtet.  Die Tochter des Marquis de Livry erbte das Schloss, das in dieser Familie bis 1927 blieb. Es wurde dann  Eigentum des allgemeinen Rats von Calvados, der es in ein Entbindungsheim verwandelte (Sänger Gérard Lenorman wurde hier geboren). 1980 wurde es restauriert und wieder sein ursprünglichen Zustand hergestellt.  Seit 1980 wird es für Veranstaltungen und Seminare genutzt und seine Türen zeitweise für das Publikum geöffnet. Leider hatte ich das Pech, dass es gerade bei meinem Besuch geschlossen war.

 

   

Aber auch eine Abendstimmung am Caen Kanal kann durchaus faszinieren.

   

   

Genauso ist es ein Genuss in einem der Restaurants einzukehren und sich verwöhnen zu lassen und danach gesättigt einen Spaziergang dem Kanal entlang zum Wohnmobil zu unternehmen.

 

mehr Bilder im Fotoalbum Pegasus Brücke

weitere Informationen zu den Kämpfen in Ranville unter:
http://www.battletours.de/index.php?option=com_content&view=article&id=162&Itemid=159

weitere Informationen zu den Kämpfen in Benouville unter:
http://www.battletours.de/index.php?option=com_content&view=article&id=159&Itemid=156