Historische Route durch das Seine Tal

Eine zauberhafte Gegend von Rouen durch das Tal der Seine in der Normandie. Ich glaube nicht zu übertreiben wenn ich die Strecke mit dem mittleren Rheintal vergleiche.

„Le Havre, Rouen und Paris sind eine einzige Stadt, deren Strasse die Seine ist,“ soll Napoleon seinerzeit gesagt haben.

Das haben auch schon Händler, Herrscher und Eroberer vor ihm erkannt, die den Fluss, der zumindest heute von seinen776 km Gesamtlänge auf 541 km schiffbar ist, als Handelsstrasse oder Einfallsweg genutzt hatten lange bevor die Römer die ersten brauchbaren Strassen bauten.

Über die Seine drangen auch die Wikinger vom Meer aus ins heutige Frankreich vor und kamen fast bis nach Paris. Somit kann man den Fluss mit Fug und Recht als Wiege der Normandie bezeichnen.

Gefahr vom Meer aus drohte im Seine – Tal jedoch nicht nur durch Eroberer, sondern auch durch Naturgewalten. Gefürchtet waren zum Beispiel, vor allem während der Tag- und Nachtgleiche, die gewaltigen Springfluten, die bis hinauf nach Caudebec ein beeindruckendes Naturschauspiel, aber auch Gefahr bedeuteten.

Während die Burgen hoch auf den Hügeln der Flussbiegungen einen Überblick über das Seinetal bieten, verstecken sich die alten Klosterruinen in den waldreichen Schleifen, die fast wie Halbinseln wirken. Die Monumente des modernen Industriezeitalters vergisst man beim durchstreifen der alten Klostermauern.

Saint-Martin-de-Boscherville

Die Gemeinde liegt am rechten Seine-Ufer einige Kilometer westlich von Rouen im Kanton Duclair. Sie ist für ihre spätromanische ehemalige Benediktiner-Abtei bekannt und Teil des Regionalen Naturparks Boucles de la Seine Normande.

Saint-Martin-de-Boscherville ist gallische Gründung aus dem ausgehenden 1. nachchristlichen Jahrhundert und die Archäologen haben auf der Abteikreuzgangsstelle die Fundamente eines gallo-römischen Umgangstempel ausgegraben. Im 7. Jahrhundert wurde an Stelle des heidnischen Tempels eine dem Heiligen Georg geweihte Grabkapelle errichtet. Raoul de Tancarville oder Fitz-Gerald, Kämmerer Wilhelms des Eroberers, siedelte Augustiner-Chorherren an, die nach 1114 von Benediktinermönchen abgelöst wurden.

1225 wurde die Abteikirche Abbaye Saint-Georges de Boscherville geweiht. Bei Ausgrabungsarbeiten wurde ein Abtskreuz aus Messing mit Gravuren gefunden, das aus dem 13. Jahrhundert datiert.

In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben und die Kollegiatsgebäude grösstenteils abgerissen. Erhalten blieb die Abteikirche, die zur lokalen Pfarrkirche umfunktioniert wurde. In Folge dessen war eine ältere, dem Heiligen Martin geweihte Pfarrkirche überflüssig geworden; sie diente noch eine Zeitlang als Salpeterlager, ehe sie abgebrochen wurde.

Die restaurierte Abteikirche ist heute als Schulbeispiel normannischer Romanik von besonderem kunsthistorischem Wert.

Am 16. Juni 1997 gab es infolge eines Seine-Hochwassers erhebliche Überschwemmungen. Die Schäden sind behoben.

Die Abtei Saint-Wandrille

Die Abtei Saint-Wandrille, die frühere Abtei Fontenelle, ist eine Benediktiner-Abtei die seit dem 7. Jahrhundert besteht und heute noch genutzt wird.

Der Mönch Wandregisel, der in der Normandie in der Mission tätig war, gründete 649 die Abtei Fontenelle auf einem Grund und Boden, den ihm der neustrische Hausmeier Erchinoald zur Verfügung gestellt hatte. Nach einer anfänglichen Blütezeit unter den westfränkischen Merowingern, verlor die Abtei in der Zeit von Karl Martell (vor allem unter Abt Teutsind) einen grossen Teil ihres Besitzes wieder an weltliche Adelige. 787 wurde auf Befehl Karls des Grossen von Landry, dem Abt von Jumièges und Richard, dem Grafen von Rouen für die Abtei ein Polyptychon angefertigt, das heute verloren ist. Ebenfalls auf das Jahr 787 datiert eine Erfassung des gesamten Grundbesitzes des Klosters auf Befehl Karls des Grossen. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass die Abtei 4264 Höfe (manses) und 28 Mühlen verfügte, sowie über weiteren Grundbesitz, der allerdings durch Misswirtschaft praktisch verloren gegangen war.  Fontenelle war die dritte Abtei in der Provinz Rouen nach Saint-Ouen und Saint-Evrault.

Die um 830 verfassten Gesta sanctorum patrum Fontanellensium (dt: "Taten der Äbte von Fontenelle") gelten als das früheste Zeugnis der klösterlichen Geschichtsschreibung im Mittelalter. Überhaupt entwickelte St. Wandrille in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts eine äusserst rege Schreibtätigkeit. So sind hier Heiligenviten über die Äbte Wandregisel, Lantbert und Ansbert, sowie über den Eremiten Condedus, Bischof Erembert von Toulouse, Bischof Wulfram von Sens und die Äbtissin Childemarca von Fécamp entstanden.

Um 960 ordnete Richard I. von Normandie die Wiederherstellung der Abtei unter Führung von Gérard de Brogne an. Herzog Robert der Prächtige unterzeichnete eine Urkunde, die der Abtei die verlorenen Güter zurückgab, auf deren Basis das Kloster im Mittelalter seinen aussergewöhnlichen Reichtum gründete.

Während der Religionskriege wurde die Abtei im Mai 1562 von Protestanten geplündert, in der Französischen Revolution (1789-1799) wurde sie aufgelöst und verkauft.

1895 wurde Saint-Wandrille durch Joseph Pothier wiedereröffnet, zuerst als Filialkloster von Abtei Saint-Martin de Ligugé, dann ab 1898 als eigenständiges Benediktinerkloster. Es war zwischendurch auch einige Jahre an den Schriftsteller Maurice Maeterlinck vermietet.

   

   

 

Abtei du Valasse

 

Die Abtei ist 1157 von Valéran II, Graf von Meulan und Mathilde l' Emperesse , gegründet worden. Mit dem Bau der Abtei wurde 1181 begonnen und 1218 vollendet.

Die Abtei wurde  während des Hundertjährigen Krieges von den englischen Truppen zerstört, und von den Protestanten 1562 geplündert.

In der französischen Revolution wurde die Abtei beschlagnahmt und wurde Wohnsitz der Schlossherrin.