Kathedrale Notre-Dame, Bayeux

Die Kathedrale Notre Dame de Bayeux  ist der Sitz des Bischofs von Bayeux-Lisieux  und eines der bedeutendsten sakralen Baudenkmäler der Normandie. Das Kulturdenkmal wurde im Jahr 1862 als Monument historique klassifiziert. Ursprünglich im normannisch-frühromanischen Stil erbaut, präsentiert die Kathedrale sich heute weitgehend gotisch.

 

   

In einem Buch von 1733 (Histoire sommaire de la ville de Bayeux par M. Beziers Chanoine du St. Sépulchre & Membre de l'Academie Royale des belles Lettres de Caen) zufolge,wurde eine erste Gebetskapelle auf Weisung des Heiligen Exuperius; † ca. 410, im 4. Jahrhundert auf einem gallisches Heiligtum erbaut. Erst sein Nachfolger, der Heilige Regnobert, erbaute die erste Kathedrale im 5 Jahrhundert und gründete den Bischofssitz von Bayeux.

 

Am Standort der heutigen Kathedrale, dem vermuteten Forum des römischen Augustodurum, befand sich bereits im frühen Mittelalter  ein karolingischer Vorgängerbau, der 891 von Normannen zerstört wurde. Vermutlich erst nach der Einsetzung von Rollo als ersten Herzog der Normandie im Jahre 911, wurde die karolingische vorromanische Kathedrale erbaut.

 

Die Kathedrale von Bayeux, eines der schönsten Zeugnisse romanischer Architektur in der Normandie, fiel verschiedene Male einem Brand zum Opfer. Aus der Zeit nach dem Brand sind noch die wundervollen Dekorationen des Schiffs erhalten geblieben, alles andere musste dem Um- und Wiederaufbau weichen.


Danach wurde die Kathedrale gotisch umgebaut. Die Weihe der ab 1047 unter Bischof Hugo III. errichteten neuen Bischofskirche fand am 14. Juli 1077 durch Odo von Bayeux statt, einen Halbbruder Wilhelms des Eroberers, in Anwesenheit Willhelms, des Herzogs der Normandie und des Königs von England geweiht. 

Der Vierungsturm stammt aus dem 15 Jh. Im Jahre 1652 wurde die Kathedrale von den Hugenotten verwüstet. Von der romanischen Zeit sind heute noch Dekorationen im Kirchenschiff erhalten. Am berühmtesten ist jedoch der Teppich von Bayeux, ein 70 Meter langer Leinenstreifen, der in bunten Bildern die Geschichte die Eroberung Englands im Jahre 1066 erzählt. Er soll einst den Chor der Kathedrale geschmückt haben. Heute ist der Teppich im städtischen Museum von Bayeux aufbewahrt und zu sehen.
 

 

Die Kathedrale Notre-Dame präsentiert sich heute als dreischiffige Kreuzbasilika von 96 Meter Länge. Das reich mit Skulpturen verzierte Westwerk  hat ein Haupt- und zwei Nebenportale. Es wird überragt von zwei wuchtigen, spitzen Türmen von 75 Meter Höhe.
Aus der gotischen Fassade (Weltgericht-Tympanon von 1427) springt eine Empore hervor, über der sich ein vierbahniges Masswerkfenster wölbt. Darüber blickt eine Reihe von zehn Gewändefiguren zwischen den mächtigen Türmen herab.

   


Das Querschiff ist mit einem Massiv gekrönt, das eine quadratische, von zwölf Chimärenfiguren bewachte Plattform in zehn Metern Höhe über der Vierung trägt. Darauf erhebt sich ein oktogonaler, hochgotischer Vierungsturm, der eine ehemals vorhandene Kuppel ersetzte. Hauptschiff und Chor stützt ein umfangreiches Strebewerk aus rundumlaufenden, freistehenden Strebepfeilern.

Der Innenraum ist geprägt von ornamentalen Mustern wie Zickzackbändern und steinernem Geflecht bei gleichzeitiger Bescheidenheit, was figürliche Darstellungen anbelangt. Ein Vergleich der Flachreliefs mit Gegenstücken im Süden Englands drängt sich dem Betrachter auf. Einige der Figuren, die sich dennoch finden, erscheinen grotesk und rätselhaft in ihrem ikonographischen Bezug.

Dem Eintretenden eröffnet sich nach Osten hin das Hauptschiff, dessen symmetrischer Aufriss dreizonig in die Höhe strebt. Das sechsjochige Kreuzrippengewölbe  über Obergaden und Triforium ragt 23 Meter in die Höhe und überspannt eine Breite von zehn Metern. Durch Arkaden können die sechs Meter breiten Seitenschiffe betreten werden. Den Abschluss bilden den Kirchenraum flankierende Seitenkapellen, für deren Errichtung am Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts die Seitenwände aus romanischer Zeit durchbrochen wurden.

   

Das Querschiff, bereits früh vorhanden und in gotischer Zeit umgestaltet, öffnet den Raum auf eine Breite von 37 Metern. An seinem Nordende fällt das Licht durch Fenster aus dem 14. Jahrhundert. In der Südwand des Querschiffs befindet sich ein ebenfalls gotisches Seitenportal, das portail du doyen mit dem Thomas-Becket-Tympanon, das den Lebensweg des Heiligen nachzeichnet.

Im von einem Kapellenkranz umgebenen Chor mit seinen charakteristisch spitzen Bögen, durchbrochenen Rosetten und Medaillons entfaltet sich die Überfülle gotischer Sakralarchitektur der Normandie. Sehenswert sind auch die reich beschnitzten Chorgestühle links und recht.

   

Die Krypta war im Mittelalter vermauert und vergessen. Sie wurde erst im 15. Jahrhundert wiederentdeckt. Dieser Umstand trug vermutlich dazu bei, dass die ursprüngliche Ausgestaltung erhalten blieb. Über zwei Säulenreihen mit vereinfachten korinthischen Kapitellen spannt sich ein romanisches Kreuzgewölbe. Die Bogenlaibungen oberhalb der Kapitelle sind mit ockerfarbenen Zeichnungen musizierender Engel mit unterschiedlichen Instrumenten verziert. An den Seitenwänden befinden sich farbenprächtige Fresken.

   

   

 

 

 

Hauptschiff: Höhe 23 m, Breite 10 m, Länge 96 m


Seitenschiffe: Breite 6 m
Seitenkapellen: Breite 5 m
Querschiff: Breite 10 m, Länge 37 m


Turmhöhen
·         Westtürme: 70 m
·         Vierungsturm: ca. 95 m
 

 

Weitere Bilder im Fotoalbum Kathedrale Notre-Dame, Bayeux

 

Bilder die die Schönheit der Kathedrale erst zeigen im Fotoalbum Detail Kathedrale Bayeux