Teppich von Bayeux Mit fast 70 Meter Länge, eines der bemerkenswertesten Bilddenkmäler des frühen Mittelalters

Der Legende nach wurde die berühmte Tapisserie von Bayeux von der  Frau Wilhelm des Eroberers gestickt 

Tatsächlich aber ist sie weder eine Tapisserie, noch wurde sie von Wilhelms Frau angefertigt. Der Auftrag für diese einmalige Stickarbeit wurde von dem Halbbruder Herzog Wilhelms, Bischof Odo von Bayeux,  1066 in Auftrag gegeben und zur Weihe der romanischen Kathedrale am 14.7.1077 fertig gestellt. 

Es ist ein Wandbehang von ursprünglich wohl über 70 Metern Länge (erhalten sind 68,38 Meter) und 45,7 bis 53,6 cm Höhe, ein schmaler, sehr langer Streifen aus Leinwand also, der fortlaufend bestickt ist mit 58 farbigen Bildszenen aus der damals jüngstvergangenen Geschichte.  Er berichtet, wie Wilhelm , Herzog der Normannen König von England wurde. Es fehlen die Schlussszenen, so dass die ursprüngliche Länge des Tuchstreifens unbekannt ist.

Sein Thema ist die Vorgeschichte und der Verlauf der berühmten Schlacht von Hastings 1066. Er erzählt eine Saga zweier Helden, die einander ebenbürtig, gleich adelig und gleich tapfer gegenüberstehen. Wilhelm, der schliesslich als Sieger hervorgeht, und Harold, der Führer des angelsächsischen Adels, der auf tragische Weise unterliegt.
Der Berichtszeitraum umfasst ein knappes Jahr, von der Abreise des Grafen Harold von Wessex in die Bretagne Anfang November 1065 bis zum Tag der Schlacht von Hastings, dem 14. Oktober 1066. Die Hauptakteuren der Bildergeschichte sind neben Harold, Herzog Wilhelm v.d. Normandie und König Edward der Bekenner.

Wegen seiner Fülle an detaillierten Einzeldarstellungen, der durchdachten Ikonographie und der handwerklichen Qualität gilt der Teppich von Bayeux als eines der bemerkenswertesten Bilddenkmäler des frühen Mittelalters. Der Teppich von Bayeux wird seit 1982 im eigens dafür errichteten Centre Guillaume le Conquérant in Bayeux ausgestellt. Seit 2007 gehört der Teppich zum UNESCO-Programm Weltdokumentenerbe.

Die Details geben Aufschluss über viele Aspekte mittelalterlichen Lebens. Einzelheiten finden sich zu Schiffen, Schiffsbau und Seewesen, Tracht und Schmuck, Kampfweise und Ausrüstung normannischer und angelsächsischer Krieger, der königlichen Jagd, Reliquienwesen, Herrschaft und Repräsentation sowie Münz- und Geldwesen. Er zeigt auch die erste bekannte bildliche Darstellung des Kometen Halley, der um die Zeit der dargestellten Ereignisse den sonnennächsten Punkt erreichte.


Der Teppich von Bayeux wird seit 1982 im eigens dafür errichteten Centre Guillaume le Conquérant in Bayeux in der französischen Normandie ausgestellt. Eine weitgehend originalgetreu gearbeitete Kopie aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts findet sich im Stadtmuseum von Reading. Seit 2007 gehört der Teppich zum UNESCO-Programm „Memory of the World“ (Weltdokumentenerbe).

 


Entworfen und gestickt wurde die Bildergeschichte wohl in England, dafür spricht die Tradition solcher Wandteppiche in diesem Land (auch wenn nur Fragmente überliefert sind), und dafür sprechen manche Anklänge an das Altenglische in Schrift und Sprache der Bildüberschriften. Der Wandbehang war ursprünglich sicher nicht für die Kathedrale von Bayeux bestimmt. Dieser schmale, lange Streifen eignete sich vielmehr für die Halle eines Adelssitzes. Dass Odo in Bayeux einen Palast bauen liess ist überliefert.

Ich muss gestehen, ich war noch nie tiefer beeindruckt von einem Kunstwerk wie von diesem, GIGANTISCH ist echt untertrieben es fällt mir aber kein anderer Superlativ dazu ein.  Man bekommt zur Besichtigung einen Audioführer der jeden einzelnen Bildabschnitt ausführlich erklärt und einen entführt auf eine Zeitreise von 1065 bis 1066. Ein absolutes Muss für jeden Normandiereisenden. 

Einzelbilder des Teppich von Bayeux mit Übersetzungen der Beschriftungen unter:
http://www.iris-kammerer.de/bayeux.html
 

Link zur Ansicht des ganzen Teppich
Im neuen Fenster mit der Maus den Bild-Streifen anklicken für Grossansicht und dann mit dem Schieberegler ansehen
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fe/Tapisserie_de_Bayeux_31109.jpg

 

Gestorben in Rouen und begraben in Caen

Bei einem Ritt durchzog Wilhelm der Eroberer ein heftiger Schmerz seine Eingeweide – andere Überlieferungen behaupten, er sei vom Pferd gestürzt, als dieses vor den Funken des Feuers scheute -, und er war gezwungen, unter schrecklichen Schmerzen nach Rouen zurückzukehren. Dort nahmen Schmerzen und Krankheit von Tag zu Tag zu, Wilhelm war ans Bett gefesselt und nachdem er seine letzten Anweisungen getroffen hatte, er war bis zum Schluss bei klarem Verstand, empfing er die letzte Ölung und das Abendmahl vom Erzbischof von Rouen. Er starb in den frühen Morgenstunden des 9. September 1087.

Der Leichnam des Königs wurde vom Kloster Saint-Gervais nahe Rouen in die normannische Hauptstadt Caen überführt. Dort wurde dieser vom Abt von Saint-Étienne, Gislebert de Coutances, empfangen und im Prozessionszug durch die Stadt bis zur Abteikirche wo der erste normannische König von England begraben liegt.

 

Hic sepultus est invictissimus Guillelmus conquestor Normannae dux et Angliae rex huiusce domus conditor qui obiit anno MLXXXVII (Hier begraben ist der unbesiegbare Herausforderer Wilhelm, Fürst der Normandie und König Angliens, deren Hauses Gründer, der im Jahre 1087 verschied)