Fougéres und seine tausendjährige Geschichte

Fougères liegt im Osten der Bretagne und ist besonders wegen der malerischen Stadtmauer und der Burg (Fougères war Grenzfestung zu Frankreich) eine sehenswerte Stadt. Die Konstellation mit der Burg im Tal, der Stadt auf dem Berg und einer Stadtmauer, die Burg und Stadt miteinander verbindet, unterscheidet sich deutlich von der Anlage der anderen Grenzfestungen Rennes und Vitré.

Die Geschichte dieser vor tausend Jahren gegründeten Stadt ist von zahlreichen historischen Ereignissen geprägt. Noch weiter zurück kann man die Geschichte in der umliegenden Umgebung verfolgen. Zeugen dieser zeit sind Megalithen die in einem an die Stadt angrenzenden Wald verborgen sind. oder auch Reste einer Römerstrasse im Tal des Nançon, dem Fluss der die Stadt durchfliesst.

Auf einem Felsen, eingeschlossen zwischen Moor und Flusswindungen, wachte die eindrucksvolle Festung über die Strasse und sorgte damals in der östlichen Grenzregion der Bretagne für die Verteidigung des Herzogtums.

     

     

Die Festung, die drei Jahrhunderte lang ständig umkämpft und in dieser Zeit durch eine Stadtmauer vergrössert wurde, wird schliesslich zum Symbol der Feudalherrschaft.

     

Das Ende des hundertjährigen Krieges, Die Entwicklung der Artillerie und später der Verlust der bretonischen Unabhängigkeit bedeuteten das Ende der rein militärischen Rolle der Stadt.

Obwohl die handwerkliche Aktivität der Stadt an Bedeutung gewann, schien Fougères hinter seinem Stadtwall eine Zeitlang zu schlummern.

Zwei Jahrhunderte vergingen, bis Fougères erneut im Mittelpunkt der Geschichte stand. Mit der Verbreitung der neuen philosophischen Ideen der Revolution, mit dem Aufstand von Chouans, der bretonischen Verschwörung und dem Empire steht die Stadt 1775 wieder im Mittelpunkt der Ereignisse.

     

Mit ihren romanischen Ruinen, herzzerreissenden Leidensgeschichten, wurde die Stadt zum Zufluchtsort der grössten Meister der französischen Literatur, so etwa Chateaubriand, Balzac oder Hugo, die in die Stadt kamen um sich hier bezaubern und inspirieren zu lassen. Mit dem Ende des 19-Jahrhundert beginnt für die Stadt das wirklich industrielle Zeitalter. In nur wenigen Jahrzehnten wird Fougères zu einem der Hauptzentren der Schuhfabrikation. Allerdings wird dieser neue Reichtum durch ein schmerzhaftes Ereignis erschüttert. Kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie wurde die Stadt durch einen Bombenangriff stark in Mitleidenschaft gezogen.  

Bemühungen die Wirtschaft zu diversifizieren und den Reichtum an Bauwerken zur Geltung zu bringen lassen das Bild dieser Stadt wieder aufleben.

Heute bietet sie dem Besucher neben der Festung auch noch viele andere Schönheiten.

Am Fusse der Burg befindet sich die Kirche Saint-Sulpice. Ein interessantes Bauwerk, das in mehreren Etappen errichtet wurde. Das Kirchenschiff wurde zwischen dem 13. und 16.Jahrhunder im spätgotischen Stil erbaut und der Chor zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert errichtet.  In den Querschiffen befinden sich zwei schöne Altäre mit in die Mauer gemeisseltem Granitaufsätzen.

   

 

 

 

Im Altar auf der linken Seite befindet sich eine Statue der Notre-Dame-des-Marias aus dem 11. Jahrhundert.

        

 

 

 

Am Fuss der oberen Altstadt führt ein schöner Weg durch eine Parkanlage entlang der Stadtmauer und des Flusses Nançon, vom Schloss bis zum romanischen Stadtviertel. Mitten in diesem Park wurde eine zeitgenössische Plastik aus Glas errichtet als Symbol des Friedens und des zusammenleben der verschiedenen Völker und Kulturen.

     

Über den reizvolle Weg kommt man beim Aristide Briand Platz wieder in die Oberstadt. Der Platz wird dominiert vom "Hotel de la Belinaye" aus dem 18. Jahrhundert. Heute wird es als Gericht- und Justizgebäude genutzt. Es ist das Geburtshaus des Marquis de la Rouerie. Dieser Held des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und Freund Washingtons war auch der Anstifter der bretonischen Verschwörung im Jahre 1792. Seit 1993 schmückt seine Statue diesen Platz. Sie wurde anlässlich seines zweihundertjährigen Todestages errichtet.

   

Theaterplatz: dieser Platz zeugt von der langjährigen Geschichte des Salzes dieser Region und erinnert an die furchtbaren Brände im oberen Stadtteil im 18. Jahrhundert. Dort wo sich früher die Markthallen befanden in denen mit Fleisch und Stoffen gehandelt wurde, wurde 1886 das Theater errichtet. En Werk des aus  Fougères stammenden Architekten Laloy. 2001 wurde es restauriert und in Theater Victor Hugo umbenannt. Der Zauber des 19. Jahrhunderts und seine warme Innenausstattung blieben dabei erhalten. 

Nationale Strasse: ehemals rue Royale genannt wurde nach den grossen Bränden nach den Plänen Gabriels wieder aufgebaut. Diesem Architekten verdankt sie die Harmonie ihrer Fassaden aus Granitstein, Rundbogenfenstern und schmiedeisernen Balkonen.

   

Der Wachtturm: Fougères und Dinan (werde ich noch besuchen) sind die einzigen Städte in Westfrankreich die einen Wachturm besitzen. Der Wachturm Fougères ist der älteste in der Bretagne und stammt aus dem 14. Jh. Er zeugt von der seit dem Mittelalter zunehmenden handwerklichen Vitalität und der Handwerksaktivität der Stadt. Der elegante Turm der besonders durch seine mächtigen Granitquader und seine durchbrochene Balustrade auffällt wurde mit der Feudalherrschaft zum Symbol des aufkommenden Bürgertums. Seine Glocke bestimmt seit 1397 den Rhythmus der Stadt.  

    

Emmanuel de la Villeon Museum: es ist in einem Gebäude mit Portalvorbau untergebracht. Das Fachwerkhaus dessen mächtiger Vorbau durch  robuste Eichenbalken abgestützt ist, ist typisch für die städtische Wohnungsbauweise in der östlichen Bretagne zwischen dem 15. und 17. Jh. Das Museum bietet eine interessante Gemäldesammlung von Emmanuel de la Villeon.  Der aus  Fougères stammende Künstler gehärte zu den ketzten grossen Impressionisten.

 

Saint Leonard Kirche: diese Kirche musste zwischen dem 12. und 17. Jh. zahlreiche Umbauten über sich ergehen lassen und wurde im 19.Jh. nochmals verändert und vergrössert. Die Nordfassade ist mit Säulen und bizarren Wasserspeiern verziert.

   

 

 

 

Das Rathaus befindet sich direkt neben der Saint Leonard Kirche und ist ein Bauwerk aus dem 14. Jh. Später wurde es mit einem beachtlichen Portal und einem bemerkenswerten Renaissancefenster verschönert.

 

 

 

Der Stadtpark: schon früher zog es die Bürger zu diesem Platz der gleich hinter der Saint Leonard Kirche  und dem Rathaus, ausserhalb der Stadtmauern, beginnt und sich als terrassenförmiger Park bis in die Unterstadt hinzieht. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf den unteren Stadtteil, die Burg, das Tal der Tal von Gibary und in das umliegende Land.

 

     

Unten angekommen befindet man sich im mittelalterlichen Viertel.  Die Gerberstrasse verdankt ihren Namen einer der ältesten Aktivitäten Fougères, die nicht zuletzt durch den einst von Mühlen gesäumten Fluss Nançon begünstigt wurde. Bemerkenswert ist auch das Waschhaus. In vielen mittelalterlichern Städten stösst man immer wieder auf solche Waschhäuser, aber hier habe ich zum ersten Mal zwei Feuerstellen gefunden in denen auch Kochwäsche gemacht werden konnte.  

     

     

Mitten im alten Viertel befindet sich der Marchix Platz. Im Mittelalter fand auf diesem Platz der Rindermarkt statt. Schon damals war die Stadt das Zentrum einer für ihre Viehzucht bekannten Region. Der Platz wird von schönen Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert gesäumt.

     

 

Zum Zeitpunkt meines Besuches wurden auf dem Platz aber keine Rinder feilgeboten. Lediglich ein einzelner "Ochse" war da und der sass gemütlich bei einem Bier und bestaunte die wunderbare Kulisse. 

 

 

Auf meinem Weg zurück kam ich an einem schmalen Trampelpfad vorbei der meine Neugier weckte wohin er wohl führen wird. Ganz nach meinem Motto "der Weg ist mein Ziel" ging ich los und befand mich nach kurzer Zeit in einem steilen Anstieg zu einem wunderschönen alten Eichenwald. Oben angekommen wurde meine Neugier belohnt indem sich mir ein traumhafter Ausblick auf die obere Altstadt und die Parkanlage eröffnete.

     

Pinterie Strasse: diese Strasse, früher von Häusern mit Portalvorbauten gesäumt, zieht sich dem Stadtwall entlang von der Burg bis hinauf in die Oberstadt. Sie war damals der einzige Weg zur Beförderung von Waren. Die Bombardierung und der anschliessende Brand vom Juni 1944 haben diese Strasse nicht verschont. Teilweise sind noch einige Arkaden erkennbar die aber nicht mehr dem früheren Zweck dienen. 

     

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit befindet sich etwas ausserhalb der Altstadt bei einem Kreisverkehr. Eine ganze Fassade wurde zu einem dreidimensionalen Bild gestaltet das je nach dem woher man es betrachtet immer etwas anders aussieht.

   

Für die Wohnmobil Fahrer, ein schöner Stellplatz befindet sich ganz zentral gelegen direkt neben der Burg. Der Platz ist Gratis mit Ver- und Entsorgung. Für Badefreunde gibt es direkt neben dem Platz ein Schwimmbad der Sonderklasse was die Natur betrifft.