Zeitlos, die beste Zeit meines Lebens !

Kaum zu glauben aber seit ich im Mai 2009 zu meiner „Altenreise“ aufgebrochen bin, habe ich nun bereits den vierten Jahreswechsel unterwegs verbracht. Ein Blick zurück zeigt mir was sich in meinem Leben  grundlegend geändert hat.

Mein Paradies

Ich habe mich mit meiner Katze in unserem neuen mobilen Zuhause bereits so gut eingelebt, dass wir noch lange nicht die Nase voll haben. Mein Wohnmobil bietet mir alles das ich brauche um glücklich zu sein. Es ist zwar alles auf kleinerer Fläche untergebracht, wenn ich an meine bisherigen grosszügigen und komfortabel eingerichteten Wohnungen denke, aber ich vermisse rein gar nichts. Im Gegenteil, es ist für mich das Paradies: ich bin in einer halben Stunde durch mit dem Grossreinemachen, habe immer einen wunderschönen sich stets ändernden Ausblick, einen Garten den ich nie selber bearbeiten muss und egal wo ich mich befinde, meine Wohnung habe ich immer dabei. Auch meine Katze fühlt sich pudelwohl auf unserer Reise.

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Der Lebensbestimmende Faktor Zeit ist weg.

Mir wurde erst jetzt bewusst wie sehr mich die Fesseln der Zeit im Griff hatten.  Googelt mal nach dem Wort Zeit und es werden ungefähr 624 Millionen Ergebnisse ausgespuckt.  Die Zeit ist unumkehrbar und führt durch die Gegenwart von der Vergangenheit in die Zukunft. Sie bestimmte mein Leben schon von Kindheit an, setzte sich in der Schule, Ausbildung und im Berufsleben fort. Die Zeit war immer Lebens - Bestimmend, ich hing an ihr und sie an mir. Sie sass mir treibend immer im Nacken. Dabei hing die Wahrnehmung der Zeit nur davon ab was gerade passierte. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint mir kurz, „verging wie im Flug“. Hingegen dehnten sich ereignisarme Zeiträume manchmal zu einer Ewigkeit aus.  Diese Fesseln habe ich nun endgültig gesprengt. Kein Termin treibt mich mehr an und kein Zeitplan bestimmt meinen Tagesablauf.  Ohne Plan erwartet,  treibt  oder fordert  mich Niemand mehr.

Das heisst aber noch lange nicht, dass ich ohne Plan orientierungslos unterwegs bin.  Das pure Gegenteil ist der Fall. Denn müsste ich mich nach einem Plan richten hätte ich wieder die Zeit im Nacken die mich vor sich her treibt. So habe ich aber die Möglichkeit gerade die kleinem ereignisreichem Momente, die sonst im Flug vergehen würden, zur Ewigkeit auszudehnen. Wenn ich mich an einem Ort befinde der mir besonders gut gefällt kann ich da so lange verweilen und den Moment geniessen bis mich die Neugier auf Neues wieder weiter treibt. Die Zeit hat dabei jeden bestimmenden Einfluss auf mich verloren. Genauso verhält es sich wenn ich unterwegs interessante Bekanntschaften mache, dann treibt mich kein Termin zur Eile an sondern es liegt in meiner Entscheidung diese Begegnung auszudehnen und zu vertiefen. So kann sich eine flüchtige Reisebekanntschaft zu einer freundschaftlichen Beziehung entwickeln die nicht nur im Zeitpunkt der Begegnung, sondern weit darüber hinaus, eine Bereicherung für mich bleibt.

Es gibt aber auch Momente und Begegnungen die ich in der Natur mache und mir ebensolche Freude bereiten. Hier auf meinem Winterplatz erlebe ich, ohne mein Wohnmobil verlassen zu müssen, eine so bunte und vielfältige Vogelwelt die nicht nur ich gerne beobachte sondern auch meiner Katze Freude und Unterhaltung bieten. Alle diese Fotos habe ich aus dem Wohnmobil heraus aufgenommen.

 

   

       

Besonders freue ich mich über zwei Grünspecht Paare die regelmässig vorbei schauen um nach Ameisen zu suchen.

     

Wie oft habe ich mir früher gewünscht: ich hätte mehr Zeit.  Nun habe ich sie in unbeschränkter Menge und was habe ich gefunden?  Leben,  pures Leben nur noch Staunen und Geniessen. Von allen besuchten Orten und den Streifzügen, die mich mit der Geschichte und der faszinierenden Natur der durchreisten Gegenden bekannt machten, habe ich jeweils einen prall gefüllten Rucksack an Eindrücken mitgenommen.

Seit vier Jahren steht nun für mich die Arbeit still, und das pensionierte Leben läuft, ein aufregendes tolles Leben. Meine Reiseziele sind ebenso faszinierend wie unterschiedlich. Jeden Tag gibt es neues, interessantes aus  Kultur, Natur, Geschichte und auch aus der Küche so dass jeder Tag zum Höhepunkt wird.  Mein Leitspruch „Ich Träume nicht mehr vom Leben sondern lebe meinen Traum“ hat sich verwirklicht und mein Leben ist zu einem Traumleben geworden.

Kein Grund zur Angst vor dem Pensionsschock

Ich denke aber auch an Freude von mir die nach ihrer Pensionierung in ein grosses Loch gefallen sind. Nicht jeder freut sich auf den Ruhestand. Mit dem plötzlichen Ende der Berufslaufbahn fallen viele in eine Art Schockstarre. Sie haben das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff „Pensionsschock“ gebraucht. Die Gefahr des Pensionsschocks ist umso grösser, je höher die Zufriedenheit und der Status im Beruf war. Von einem Tag auf den anderen fallen Aufgabenbereiche weg, auch die berufliche Anerkennung und Erfolgserlebnisse. Der Alltag und damit der gewohnte Lebensrhythmus ändern sich eklatant. Unter diesen Umständen kann der neue Lebensabschnitt für viele schon zu einer grossen Belastung werden. Aber das muss nicht sein.



Die neue Lebensphase kann auch, vor allem durch die hohe Lebenserwartung in unserer Gesellschaft, zu einer wunderschönen Bereicherung mit viel Lebensqualität werden. Ganz klar, es ist nicht Jedermanns Sache eine rote Linie zu überschreiten und zu so einer Reise aufzubrechen wie ich das gemacht habe. Ich bin ja auch alleine und das machte es für mich leichter. Die Pensionierung sollte aber auf gar keinen Fall dazu führen zum Stubenhocker zu werden. 

Hätten mich die einen oder anderen kleinen Altersbeschwerden von meinen Reiseplänen abgehalten gab es für mich natürlich noch einen Plan B. Es gibt auch ohne Wohnmobil viele Möglichkeiten seinen Ruhestand zu geniessen und zu nutzen. Ich denke da an das SBB Altersabonnement, Warum nicht einfach mit dem Frühzug nach Davos, St.Moritz, Zermatt oder in eine der faszinierenden Städte zu fahren, einen Bummel zu machen und am Abend wieder zurückzukehren mit der Gewissheit einen herrlichen Tag verbracht zu haben.

Oder den Rucksack mit einem Picknick füllen um es beim Waldspatziergang in der freuen Natur zu geniessen.  Verbunden mit einem Ausflug in die nähere oder weitere Umgebung, oder an den nächsten See,  kann doch auch das ein schöner Pensioniertentag werden. 

Selbst bei schlechtem Wetter würden mir da einige Ideen kommen. Eine Tageskarte der öffentlichen Verkehrsmitte lösen und damit die eigene Stadt erkunden und mit den verschiedenen Linien von einem Punkt zum anderen zu fahren. Genauso kann man mit einem Museumsbesuch, von denen es ja eine unausschöpfliche Menge gibt, in eine Welt eintauchen die einem bis dahin verschlossen geblieben war. 

Ich könnte noch viele Beispiele nennen mit denen man seinen Ruhestand ausfüllen könnte. Ich möchte mit meinem Beitrag demjenigen der Angst vor der Pensionierung hat mit auf den Weg geben: Du hast bisher zwei Drittel  deines Lebens dem Arbeitgeber gedient, hast Kinder grossgezogen und dein Leben bisher diesen Aufgaben unter geordnet. Der Ruhestand bietet dir nun die Chance, mehr in dich hineinzuhören und deine Tage nach dem Lustprinzip anzugehen.

Und wenn du gar nicht ohne Aufgabe leben kannst dann findest du auch wieder eine. Ehrenamtlich kann man beispielsweise im Sportverein, bei den Kirchen oder Organisationen arbeiten. Auch die Stadt oder Gemeinde hat ehrenamtliche Aufgaben zu vergeben wie z.B., dass man die Beleuchtung in den Stadtteilen überprüft. Heutzutage gibt es in den grossen Städten und im Internet auch Kontaktstellen, die die Ehrenamtsarbeit organisieren.

Auf gar keinen Fall darfst du zum Stubenhocker werden. Denn das wäre Gift für deinen Körper und Geist.

Ich hoffe mit diesem Beitrag Mut zu machen für den neuen Lebensabschnitt: Ein Leben auf der Sonnenseite.

Der Ruhestand sollte einfach zum Geniessen genutzt werden. Denn Genuss braucht Zeit. Und diese steht nun ohne wenn und aber zur Verfügung. Es heisst ja so schön:

Es braucht zu allem ein Entschliessen, auch zum Geniessen.

Deshalb entschliesse dich bewusst dafür, dass im neuen Lebensabschnitt der Genuss nicht zu kurz kommt.